CEO-Interview: "Bâloise traut sich auch Grossakquisitionen zu"

Basel, 8. Juli 2009. Martin Strobel im Interview mit Thomson Reuters. Von Paul Arnold und Jason Rhodes.
  • Konzernchef: Gute Kapitalposition erlaubt größere Zukäufe
  • Konzernchef: Restrukturierung in Deutschland im Plan
  • Konzernchef: Keine engere Kooperation mit Signal Iduna

Der Schweizer Versicherer Bâloise traut sich trotz Finanzkrise auch größere Übernahmen zu. "Weil wir wirklich eine gute Kapitalposition haben, haben wir Spielraum", sagte Konzernchef Martin Strobel in einem Interview mit Reuters. Zwar werde man mögliche Kaufziele sehr genau auf Risiken prüfen. "Aber es gibt keinerlei Grund, dass wir nicht auch eine größere Transaktion machen könnten", betonte Strobel. Zur Finanzierung könnte Bâloise auf bedingtes und genehmigtes Kapital zurückgreifen oder eine Anleihe platzieren.
 

Martin Strobel, CEO der Bâloise-Gruppe.

Akquirieren will Strobel in Märkten, in denen der Konzern bereits tätig ist - auch im Heimmarkt Schweiz. Wichtig ist dem Konzernchef, dass Zukäufe strategisch passen und die geschäftliche und geografische Ausgewogenheit gewahrt bleibt. "Wir sind sehr wohl diversifiziert. Uns liegt viel daran, diese Situation der Balance zu erhalten", sagte Strobel. Leben- und Sachversicherung sowie Heim- und Auslandsgeschäft sind bei Bâloise etwa gleich gross. Daneben verfügt der Konzern mit der Baloise Bank SoBa auch über einen eigenen Bankarm.

In ihrem zweitgrößten Markt Deutschland hatte Bâloise aus dem Verbund des Deutschen Rings (DR) die Bereiche Lebens- und Sachversicherung übernommen. Diese sollen mit den bereits zum Konzern gehörenden Basler Versicherungen zusammengeführt werden. Im Zuge dessen fallen in Deutschland 230 der 1800 Bâloise-Arbeitsplätze weg. Die Restrukturierung sei auf Kurs, sagte Strobel. Die ab 2012 angepeilten Einsparungen von 20 bis 25 Millionen Euro seien in Griffweite. Die Kosten für die Restrukturierung veranschlagt Strobel auf höchstens 30 Millionen Euro. Die von Bâloise nicht übernommene DR Krankenversicherung war hingegen mit Signal Iduna fusioniert. Daher führt Bâloise Gespräche mit Signal über die organisatorische Entflechtung der DR-Gesellschaften. "Man spürt deutlich, dass beide Seiten an einer konstruktiven, einvernehmlichen Lösung interessiert sind. Ich sehe uns auf der Zielgeraden bei dem Thema", sagte Strobel. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Signal Iduna und Bâloise sei allerdings nicht geplant.


Zufrieden mit operativem Geschäft - Ziele bestätigt.
Der Konzernchef bekräftigte zugleich die mittelfristigen Ertragsziele, zeigte sich angesichts der weiterhin sehr stark schwankenden Finanzmärkte für das laufende Jahr aber vorsichtig. "Von daher ist es für uns nicht leicht zu sagen, wie das Finanzergebnis aussehen wird. Wo wir uns sehr wohlfühlen, ist das operative Ergebnis. Das sieht wirklich ordentlich aus", sagte Strobel.

Bâloise strebt mittelfristig eine Eigenkapitalrendite (ROE) von mindestens 15 Prozent an. Außerdem soll im Geschäft außerhalb der Lebensversicherung die Schaden-Kosten-Quote deutlich unter 100 Prozent bleiben und der Gewinn je Aktie kontinuierlich zulegen. Strobel erwartet allerdings, dass als Folge der Rezession in nächster Zeit die Schadenbelastung steigen werde. Die Schaden-Kosten-Quote bemisst die Rentabilität des Sachversicherungsgeschäfts. Je tiefer sie unter 100 Prozent liegt, desto stärker übersteigen die Einnahmen die Schadenzahlungen und Kosten. 2008 hatte Bâloise mit 90,9 Prozent einen Firmenrekord erzielt.


 

Die Baloise Group mit Sitz in Basel, Schweiz ist ein europäischer Anbieter von Versicherungs- und Vorsorgelösungen. Sie positioniert sich als Versicherer mit intelligenter Prävention, der "Sicherheitswelt". In der Schweiz agiert sie als fokussierter Finanzdienstleister, eine Kombination von Versicherung und Bank. Die weiteren Märkte sind Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, Kroatien und Serbien. Das Vertriebsnetz umfasst die eigene Verkaufsorganisation, Makler und weitere Partner. Das Geschäft mit innovativen Vorsorgeprodukten für Privatkunden in ganz Europa betreibt die Baloise mit ihren Kompetenzzentren in Luxemburg und Liechtenstein.

Die Aktie der Bâloise Holding AG ist im Hauptsegment an der SIX Swiss Exchange kotiert. Die Baloise Group beschäftigt rund 9'100 Mitarbeitende.

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