Deutschland ist für die Baloise ein Kernmarkt; der Konzern möchte hier stärker wachsen als der Markt. Die bisherige Organisation der Deutschlandgesellschaften – Deutscher Ring Lebensversicherungs-AG (DR Leben) und Deutscher Ring Sachversicherungs-AG (DR Sach) in Hamburg und Basler Versicherungen in Bad Homburg – war ineffizient und nicht geeignet, die Wachstumsziele zu erreichen. Daher wurden alle deutschen Geschäftseinheiten im November 2008 unter eine einheitliche Leitung gestellt, mit dem Ziel, sie enger zu vernetzen. Zuvor teilten sich DR Leben/Sach einen Vorstand mit dem Deutscher Ring Krankenversicherungsverein a.G. (DR Kranken), der als selbstständiger Versicherungsverein nicht zur Baloise gehört.
Im Anschluss an die Schaffung eines einheitlichen Vorstandes haben Vertreter der deutschen Gesellschaften der Baloise eine detaillierte Bestandsaufnahme durchgeführt. Im März 2009 wurden die daraus resultierenden Massnahmen vorgestellt, mit denen die deutschen Einheiten enger vernetzt werden sollen. Insbesondere sollen der Vertrieb gestärkt und die Effizienz der Gesellschaften erhöht werden, unter anderem durch die Einrichtung von Kompetenzzentren an den Hauptstandorten Hamburg und Bad Homburg. Die Baloise rechnet durch die engere Vernetzung mit Synergien von 20 bis 25 Millionen Euro pro Jahr ab 2012.
Im April 2009 hat sich DR Kranken mit der Signal Iduna-Gruppe zu einem Gleichordnungskonzern mit personenidentisch besetzten Vorständen zusammengeschlossen. Signal Iduna ist eine direkte Wettbewerberin von DR Leben und DR Sach. Die so entstandene Verflechtung verstieß gegen Versicherungsaufsichtsrecht und Wettbewerbsrecht. Deshalb haben das Bundeskartellamt im November 2009 und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Februar 2010 eine Entflechtung der Deutscher Ring-Versicherungsgesellschaften angemahnt.
Im März 2010 verständigten sich DR Leben/Sach und DR Kranken auf die einvernehmliche Aufhebung des bis dahin bestehenden Organisationsvertrags zwischen den Deutscher Ring-Versicherungsgesellschaften und nahmen anschließend Verhandlungen über eine einvernehmliche Entflechtung auf. Im April einigten sich die Parteien auf Eckpunkte für eine Neuordnung der Deutscher Ring-Versicherungsgesellschaften und unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung. Am 8. Juni unterzeichneten beide Parteien einen Entflechtungsvertrag für die Deutscher Ring-Gesellschaften.
Danach sollen die DR Leben/Sach und DR Kranken vollständig voneinander getrennt werden. Alle Mitarbeiter erhalten ein Arbeitsplatzangebot, je eine Hälfte der Mitarbeiter mit Doppelarbeitsverträgen bekommt ein Arbeitsplatzangebot der DR Leben/Sach beziehungsweise der SIGNAL IDUNA Gruppe. Die Vertriebspartner der Stammorganisation des Deutschen Ring teilen sich so auf, dass die Aussendienstpartner, die wechseln, ihre Versicherungsbestände weiter betreuen und so Kontinuität für ihre Kunden gewährleisten. Die gemeinsamen Beteiligungen werden neu geordnet.
Die Baloise wird nach der Entflechtung die engere Vernetzung ihrer Deutschlandgesellschaften vorantreiben, um so eine Plattform für ertragreiches Wachstum zu schaffen. Die bestehenden Stärken werden in Kompetenzzentren gebündelt, die Produktpaletten zu einem starken Angebot vernetzt. DR Leben/Sach werden zusammen mit den Basler Versicherungen die strategische Geschäftseinheit der Baloise Group in Deutschland bilden. |