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CEO Gert De Winter und CFO Carsten Stolz im Interview

Simply Safe ist mehr als eine strategische Phase, Simply Safe ist die Veränderung einer Denkhaltung.

Gert De Winter, Group CEO

Gert De Winter, sind Sie zufrieden mit dem ersten Jahr "Simply Safe"?

Portrait Gert De Winter
Gert De Winter, Group CEO

Gert De Winter (GDW): Ja, ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen des ersten von fünf Jahren "Simply Safe". Die geleistete Arbeit widerspiegelt sich einerseits in den überzeugenden Zahlen, die wir zum Jahresabschluss präsentiert haben, gleichzeitig wurden gruppenweit mehrere Dutzend Initiativen, Projekte und schliesslich auch viele neue Versicherungslösungen und Dienstleistungen lanciert. Dies alles in Rekordzeit. Ich bin tief beeindruckt und positiv überrascht, wie schnell die Mitarbeitenden der Baloise den Kerngedanken von "Simply Safe" übernommen haben und nun eifrig an der Umsetzung arbeiten. Wie viel bereits geleistet wurde, ist anschaulich im Geschäftsbericht auf einen Blick ersichtlich. Dort weisen wir rund 50 "Simply Safe"-Initiativen aus, die sich in der ganzen Baloise Group in der Umsetzung befinden. Und dies ist sogar nur eine Auswahl. Nicht zuletzt dank dieser Fülle an Projekten, die wir auch in Kooperation mit innovativen Start-ups wie KASKO umsetzten, wurden wir im letzten Jahr mit dem "Innovationspreis der Schweizer Assekuranz" ausgezeichnet. Wir stehen noch am Anfang, aber die eingeschlagene Richtung stimmt und ich freue mich auf die weiteren Jahre "Simply Safe".

Welche Bilanz ziehen Sie als CFO, Carsten Stolz?

Portrait Carsten Stolz
Carsten Stolz, Group CFO

Carsten Stolz (CS): Eine äusserst positive. Das Zahlenset spricht für sich. Wir konnten praktisch alle wichtigen Kennzahlen verbessern oder auf sehr gutem Niveau halten. Dies gilt insbesondere für die drei strategischen Ziele, die wir für unsere Kunden, Mitarbeitenden und Aktionäre definiert haben. Das Fundament für eine erfolgreiche strategische Phase bis 2021 ist somit gelegt. Ausserdem freue ich mich über Projekte, die ich mit meinem Team im vergangenen Jahr anstossen beziehungsweise umsetzen konnte. Um Beispiele zu nennen: Im September 2017 haben wir unsere erste Hybridanleihe mit rekordtiefen Konditionen auf den Markt gebracht. Durch die äusserst erfolgreiche Emission konnten wir unsere Kapitalstruktur mit dem im "Standard & Poor's"-Modell sowie im Swiss Solvency Test anrechenbaren Kapital optimieren. Ausserdem haben wir Projekte initiiert, die die Finanzsteuerung und die Finanztransformationsprozesse massgeblich vereinfachen werden. Ganz im Sinne von "Simply Safe" machen wir nicht nur unsere Dienstleistung für unsere Kunden einfacher, sondern arbeiten auch stetig an der Verbesserung interner Prozesse und des Kerngeschäfts. Die Baloise wird durch diese Optimierungen schneller, agiler und durchlässiger für relevante Finanzinformationen.

Was ist der Anspruch an die Verbesserung der Finanzprozesse?

CS: Im Endeffekt sollen alle Anspruchsgruppen von diesen Verbesserungen profitieren. Die Mitarbeitenden werden ihre Arbeit noch besser machen können, weil die entscheidenden Basisdaten qualitativ hochwertiger, konsistenter und schneller zur Verfügung gestellt werden können. Unsere Kunden profitieren davon, weil wir sie schneller und effizienter mit Dienstleistungen und Produkten begeistern, die einen zusätzlichen Mehrwert für sie bedeuten. Und für unsere Aktionäre bedeutet es einen noch effizienteren und transparenteren Umgang mit Ressourcen. Der Weg dorthin ist anspruchsvoll, weil wir uns auf multilateralen Ebenen bewegen und IT-Support in allen Prozessschritten durchgehend häufiger und stärker notwendig ist. Am Ende wird sich der Aufwand aber lohnen und die Baloise noch agiler machen.

Können Sie ein Beispiel für diesen Transparenzgewinn nennen?

CS: Ein Beispiel, das konkret diese Bestrebungen zeigt, ist unser "Cash-Radar". Als börsenkotiertes Unternehmen bieten wir unseren Aktionären eine attraktive Ausschüttungspolitik und erzielen Wertsteigerung. Die Herausforderung ist aber, dass Wertsteigerung von vielen Variablen abhängig ist und nicht nur über eine Kennzahl wie zum Beispiel einen gestiegenen Gewinn ausgedrückt werden kann. Dies irritiert vorderhand, weil man den Gewinn verständlicherweise mit in bar zur Verfügung stehenden Geldmitteln gleichsetzt. Wie die Schlüsselkennzahlen Barmittel und Gewinn mit der Ausschüttung und der Wertgenerierung für unsere Aktionäre zusammenhängen, stellen wir auf transparente und verständliche Weise dar. Ein anderes Beispiel ist der Schweizer Solvenztest. Wir sind im letzten Jahr immer transparenter geworden, wo wir hier stehen. Ende April werden wir die genauen Zahlen offenlegen. Wir können aber schon jetzt sagen, dass wir deutlich über einer Quote von 200% liegen werden.

Warum reicht der Gewinn denn nicht als Steuerungskennzahl?

CS: Bei Gewinnen handelt es sich genau genommen um so genannte "Buchgewinne", also Gewinne, die zwar korrekterweise buchhalterisch erfasst wurden, aber nicht zwingend mehr zusätzliches Bargeld in der Brieftasche bedeuten, weil sie erstmal nur auf dem Papier existieren. Dies ist wie bei einer Immobilie, die einmal zu einem bestimmten Betrag gekauft wurde und dann über die Zeit an Wert dazugewann, weil die Nachfrage nach Immobilien stieg. Das Haus hat zwar theoretisch mehr Wert, solange man es aber nicht verkauft – und dies kann man häufig nicht, weil man ja darin wohnt, hat man nicht mehr Geld in der Tasche. Genau dieses Bargeld in der Brieftasche ist aber entscheidend für unsere Aktionäre, denn nur mit diesem können wir die Dividenden oder auch Investitionen für zukünftiges Wachstum bezahlen. Für unsere Aktionäre steht also nicht der Buchgewinn im Vordergrund. Es gilt die Devise: "Cash is King". Unsere internen Metriken zielen neu auf operative Cash-Generierung unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Solvenz. Dafür steht unser Ziel, bis 2021 2 Mrd. CHF Cash an die Holding fliessen zu lassen. Und genau dafür wurde auch der Cash-Radar entwickelt. Mit dem Radar können wir die Schlüsselfaktoren für die Cash-Generierung überwachen, die Wertsteigerung optimieren und unser Geschäft weiterentwickeln.

Für unsere Aktionäre steht nicht der Buchgewinn im Vordergrund. Es gilt die Devise 'Cash is King'.

Carsten Stolz, Group CFO

Weiterentwicklung des Geschäfts ist ein gutes Stichwort. Gert De Winter, wo sehen Sie die Baloise in unmittelbarer Zukunft?

GDW: Die veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2017 zeigen, dass die Baloise sehr erfolgreich in die Phase der "Simply Safe" Strategie gestartet ist. Das starke operative Kerngeschäft und die starke Kapitalisierung unterstreichen dies. Spannender ist deshalb die Frage, wohin sich das Geschäft längerfristig entwickelt. Die Baloise gibt es seit über 150 Jahren. Schon heute sollten wir uns deshalb die Frage stellen, was wir tun können, damit es sie auch mindestens weitere 150 Jahre geben wird. Mit den Initiativen von "Simply Safe" stellen wir wichtige Weichen um den beschleunigten technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen.

"Simply Safe" ist also mehr als ein Fünfjahresstrategieprogramm?

GDW: Ja, definitiv! "Simply Safe" ist mehr als eine strategische Phase. "Simply Safe" ist die Veränderung einer Denkhaltung. Deswegen ist es mir so wichtig, jeden einzelnen Mitarbeitenden zu motivieren, mit auf diese Reise zu kommen. Mit dem radikalen Fokus auf unsere Kunden brechen wir mit alten Mustern. Wir suchen nach neuen Geschäftsfeldern und Kooperationen, in denen wir zusammen mit Dritten, die das gleiche Ziel verfolgen, echten Mehrwert schaffen können. Im Ansatz sieht man dies bereits in unserer Zusammenarbeit mit MOVU. Dank dieser werden wir die Dienstleistungen rund um das Thema Wohnen weiter ausbauen. Gleiches gilt für den Lebensbereich "Mobilität" unserer Kunden, den wir mit "Drivolution" sowie "Mobly" in Belgien und "FRI:DAY" in Deutschland bearbeiten. Die Leistung von Versicherungsunternehmen wird in Zukunft wohl viel breiter abgestützt in den Alltag der Menschen integriert, zeitgleich aber weniger sichtbar sein. Also ist das Versicherungsunternehmen nicht mehr nur finanzieller Schadenbegleicher, sondern auch Schadenverhinderer sowie Anbieter von Dienstleistungen im Bereich Assistance, Wohnen, Mobilität, Gesundheit und Altersvorsorge. Die Versicherung, die diese Transformation am schnellsten hinbekommt, wird in Zukunft erfolgreich sein und bestehen können. Das Beste dabei: Es ist nicht zwingend eine Frage der Grösse, um dies zu erreichen, sondern eine Frage der Geschwindigkeit und Agilität sowie der Veränderungsbereitschaft. Die Baloise ist in Europa eine mittelgrosse Versicherung. Viele sehen dies als Wettbewerbsnachteil. Ich hingegen sehe hier eine grosse Stärke.

Inwiefern?

GDW: Mit unserer erfolgreich abgeschlossenen Fokussierungsstrategie haben wir uns entschieden, unsere Energie auf die Märkte Schweiz, Deutschland, Belgien und Luxemburg zu konzentrieren. Dies, weil wir in diesen Ländern – auch längerfristig – Potenzial für Wachstum sehen. Hier sind wir bereits sehr effizient unterwegs. Wir verlieren nicht wertvolle Ressourcen in Märkten, die wir nicht langfristig als attraktiv einstufen. Hinzu kommen nun die wortwörtlich grenzenlosen Möglichkeiten, die mit der Digitalisierung Einzug in unser Geschäft gehalten haben. In Zukunft wird der Vertrieb von Versicherungsdienstleistungen noch stärker über digitale Kanäle stattfinden, und diese machen bekanntlich vor geografischen Grenzen keinen Halt. Es ist also nicht unbedingt ein Vorteil, wenn man in möglichst vielen Ländergesellschaften auch eine kostenintensive physische Präsenz hat. In einem Satz: Ich bin überzeugt, dass die Baloise genau richtig aufgestellt ist und die richtige Grösse hat, die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.

Dies sehen auch Ihre Aktionäre so, wenn man den Kursverlauf des letzten Jahres betrachtet.

CS: Ja. Im letzten Jahr hatte die Baloise-Aktie eine starke Performance von fast 20%. Berücksichtigt man zusätzlich noch die Dividendenzahlung, ergibt sich eine Gesamtrendite von über 22%. Rechnet man die jährliche Gesamtrendite über die letzten zehn Jahre, waren dies im Schnitt immer rund 7% pro Jahr. Mit unserem Cash–Ziel, bis 2021 2 Mrd. CHF Barmittel in die Holding zu führen und diese für gewinnbringende Investitionen sowie zugunsten unserer Aktionäre zu nutzen, werden wir auch in Zukunft ein attraktives Investment bleiben. Die Erhöhung der Dividende dieses Jahr auf 5.60 CHF unterstreicht diese Ambition.

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