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Gaming für die Generation Ü35 | Senior eSports Gründer René Merkli im Interview
Blog Gaming für die Generation Ü35 | Senior eSports Gründer René Merkli im Interview
Kiara Vetter 24. November 2020 Gaming, Digitalisierung, faktischversichert

Nur Junge gamen? René Merkli beweist das Gegenteil: zusammen mit zwei weiteren Kollegen gründete er mit Senior eSports eine eSports Liga für über 35- jährige GamerInnen aus der ganzen Welt. Im Interview erzählt uns René wie er auf die Geschäftsidee gekommen ist, was die begehrtesten Games der Community sind und wie seine Zukunftspläne aussehen.

Wie aus einer Frage ein Geschäft entstand

Senior eSports hat über 1'400 Mitglieder, das älteste Mitglied ist 65 Jahre jung und das Durchschnittsalter beträgt 41 Jahre. Senior eSports hat aktuell 4 Senior NHL Spieler, diese spielen in den E-Sports Teams des SC Bern, EHC Basel und EVZ. Der Frauenanteil bei Senior eSports liegt bei ca. 10%, das entspricht ungefähr 140 Gamerinnen.

Ab einem bestimmten Alter mit unterschiedlichen Erfahrungen hat man eine gewisse Seniorität erreicht, diese Seniorität kann mit der Berufswelt verglichen werden – so wird aus einem Manager ein Senior Manager oder aus einem Ingenieur ein Senior Ingenieur. Hinter dem englischen Namen steckt ausserdem die Absicht, Leute auf der ganzen Welt zu erreichen; Senior eSports strebt eine internationale Tätigkeit an, der Fokus liegt auf Europa und den USA.

«Bin ich der einzige alte Gamer?», fragte sich René Merkli und begann zu recherchieren. Statistiken aus unterschiedlichen Ländern haben ihm das Gegenteil bewiesen. 58,8% der Schweizer Gamerinnen und Gamer sind 35 Jahre alt oder älter, 55 Millionen GamerInnen in den USA sind über 35 Jahre alt und das Durchschnittsalter der deutschen GamerInnen beträgt 37,5 Jahre – Zahlen, die für eine internationale, grosse Zielgruppe sprechen.

Die Reaktionszeit lässt mit dem Alter nach, die Anforderungen im Leben verändern sich; man hat mehr um die Ohren, ist beruflich engagiert und hat oft Familie mit Kindern – wo bleibt da gross Zeit zu Gamen? Neben der nachlassenden Reaktionszeit fehlt die Zeit um zu trainieren, so ist man beinahe chancenlos, online gegen jüngere GamerInnen zu gewinnen – für viele ein grosser Frust. Diese Faktoren haben Merkli dazu gebracht, Senior eSports zu gründen.

Neben seinem Bedürfnis nach einer nicht existierenden Plattform durfte Merkli sehr viel positive Resonanz erfahren – dies nicht nur in seinem kollegialen Umfeld, sondern auch im Business. Durch diverse Präsentationen seiner Geschäftsidee, wie an Veranstaltungen wie dem ESB eSports Forum oder vor Investoren hat René viel Zuspruch erhalten. Das stets positive Feedback hat ihn ermutigt, im Mai 2019 zu starten. Zusätzlich wurde Senior eSports seit Beginn an von Brands wie ASUS ROG, Logitech, Focus Water gesponsert – auch der kalifornische Hersteller von Computerzubehör «Razer» ist begeistert und ebenfalls Sponsor von Senior eSports.

Lieblingsgames der Senior-Community

FIFA wird bei Senior eSports am meisten gespielt, dicht gefolgt von Call of Duty, Gran Turismo Sport und Rainbow Six Siege. FIFA bringt den Vorteil mit, dass kein Team benötigt wird, somit ist der Spieler unabhängig und flexibel. Die restlichen Games bringen die Herausforderung mit, ein Team zu benötigen. Für diesen Fall bietet Senior eSports eine Art Spielervermittlung über ihren Discord Kanal an – in Kombination mit der aufgeschlossenen Community ist die Bildung eines Teams garantiert. Zudem organisiert Senior eSports regelmässig Events, im Dezember findet beispielsweise die «Fun Night» statt; Call of Duty- Einzelspieler melden sich an, Senior eSports erstellt die Teams und anschliessend werden die Turniere in neuen Teams bestritten. So lernt sich die Community untereinander kennen und es entstehen neue Freundschaften.

Fortnite gehört ebenfalls zu den beliebtesten bzw. meistgespielten Games; durch einen von Senior eSports arrangierten Cup im Sommer hat Merkli und sein Team das grosse Interesse an Fortnite der Senior eSports-Community realisiert. Aufgrund einer Facebook-Kampagne lief der Wettbewerb im Vergleich zu anderen Titeln doppelt so gut und es kamen 140 neue Mitglieder dazu, dabei hat sich der Frauenanteil geradezu verzweifacht. 10 bis 15 Frauen sind wirklich aktiv in Fortnite, das Spiel animiert sie dazu, aktiv zu sein, mitzuspielen und etwas zu erreichen – eine positive Überraschung für Merkli.

«In einem Game tauchst du in eine andere Welt ein, du kannst dich neu erfinden, deine eigene Geschichte schreiben und deine Fantasiewelt kreieren.»

Begeisterung Gaming

Reine Zeitverschwendung, Unterhaltung oder Beruf? Die Meinungen bezüglich Gaming spalten sich, trotzdem war es schon immer sehr beliebt. Ein Story-Game ist mit einem Film zu vergleichen – man taucht in eine andere Welt und kann ausschalten. Das Interessante am Gaming ist, dass die eigene Fantasiewelt erstellt und gelebt werden kann – ein gewisser Rückzugsort und ein klarer Unterschied zu einem Film auf Netflix; du bist nicht passiver Zuschauer sondern spielst die Hauptrolle in deiner eigenen Geschichte.

Zusätzlich geht es um das Gemeinschaftsgefühl – Gleichgesinnte und Gleichaltrige teilen ihr Interesse und bekommen das Gefühl, auf einer Ebene miteinander kommunizieren zu können. Genau dies passiert auch bei Senior eSports – Leute stossen zusammen, entdecken Gemeinsamkeiten und teilen ihre Leidenschaft. Man kann sich messen, Trophäen und Ausrüstungen gewinnen – Adrenalin und Nervosität kommen ins Spiel. Die unterschiedlichen Gründe zu gamen, finden bei Senior eSports somit ein Zuhause. 

Merkli erklärt sich die Frage, weshalb sich mehr Männer als Frauen für die Gameindustrie begeistern können folgendermassen: Frauen sind oft eher der «Casual Gamer»; sie Spielen Games wie Super Mario oder Mario Party. Männer sind oft etwas kompetitiver; sie wollen gewinnen und etwas beweisen. Den genauen Grund kann er nicht nennen, Merkli ist aber sehr froh, dass es immer mehr spielende Frauen gibt, zudem findet er es super, dass Gamerinnen vor allem in den jüngeren Generationen als selbstverständlich und normal angesehen werden.

Zukunft

Neben dem Wachstum wünscht sich das Team von Senior eSports, dass das Gaming immer populärer wird und dass es in der Bevölkerung ankommt. Ein gamender CEO? Soll als normal gelten und nicht verurteilt oder hinterfragt werden. Senior eSports soll eine gewisse Vorbildfunktion einnehmen und der Bevölkerung zeigen: Auch ältere Gamer haben es im Griff!

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