Demenzzentrum Dandelion | Wie Pflanzen und zufriedene Mitarbeitende die Lebensqualität steigern

Kim Berrendorf
19. Oktober 2020
Henri Gassler ist seit etwas mehr als einem Jahr Leiter des Demenzzentrum Dandelion im Kleinbasel. Seit mehr als 20 Jahren ist das Dandelion Kunde der Baloise - auf diese erfolgreiche Zusammenarbeit sind wir stolz: Im Beitrag berichten wir darüber, was unser Kunde tagtäglich für seine Bewohner und die Gesellschaft leistet, wie Pflanzen dabei helfen und was das Dandelion und die Baloise gemeinsam haben.

Dandelion - Eine Oase im Kleinbasel

Das Dandelion ist bekannt für seinen wunderschönen Garten, in dem die demenzkranken Bewohner Kraft tanken können. «Als ich vor einem Jahr hierhin gekommen bin, hatte es für mich drinnen noch zu wenige Pflanzen, das haben wir angefangen zu ändern», erzählt Henri Gassler, «Pflanzen sind Lebewesen, das gibt einfach eine gute Atmosphäre.»

Darum hat man sich im Dandelion überlegt: Wie kann der Garten den Bewohnern noch nähergebracht werden, also quasi von draussen nach drinnen, vom blossen Anschauen zum Ansprechen aller Sinnesorgane?

Das neuste Projekt – alle Sinnesorgane ansprechen

Schon seit Längerem wird im Dandelion die Aromatherapie als komplementäre Behandlung angeboten. «Diese Behandlungsform aus der Phytotherapie, bei der echte ätherische Öle angewendet werden,  kann Menschen sehr positiv beeinflussen und beispielsweise  den Einsatz von Beruhigungs- und Schmerzmedikamenten reduzieren. Insbesondere bei Demenzkranken sind solche Anwendungsformen sinnvoll, weil sie ihre Symptome allgemein schlecht zum Ausdruck bringen können. » Henri Gassler ist darum sehr stolz, dass alle Pflegenden in der Aromapflege ausgebildet wurden: «Bei dementen Menschen ist es ja nicht so, dass die Sinnesorgane nichts mehr wahrnehmen, die Frage ist nur, was macht das Hirn mit den Informationen?»

Blumen im Dandelion

Pflanzen in den Alltag integrieren

Nach dem erfolgversprechenden Einsatz der Aromatherapie hat sich Henri Gassler gefragt: «Wie können wir Pflanzen allgemein noch mehr einbringen? ». Er wurde auf eine Arbeit der ZHAW aufmerksam, die zeigt, dass die Arbeiten mit Pflanzen in Pflegeheimen eine gute Wirkung erzielen können, da sie alle Sinne anspricht. «Das hat mich in meiner Haltung bestätigt und ich habe sofort mit unserer Aromatherapeutin besprochen, wie man das mit unseren bestehenden alternativen Behandlungen verbinden kann. Es geht darum, dass wir unsere Sinnesorgane ansprechen wollen: tasten, fühlen, schmecken, riechen.»

Das Dandelion hat vor, eine Wand im Zentrum komplett zu begrünen «Und zwar mit Pflanzen und Kräutern, die wir auch in der Aromatherapie verwenden. Das schöne da dran ist, dass man die Pflanzen dann zusammen weiterverarbeiten kann; Kochen, Duftsäckchen machen, Tee, Badesalze, Salben. «So holen wir die Pflanzen herein und machen diese auf eine wunderbare Weise erlebbar. Bei Demenzkranken und Pflanzen muss man immer etwas aufpassen: Als wir während dem Lockdown Rosen verteilt haben, hat jemand direkt in die Blüte gebissen. Was im Falle der Rose lustig war, kann bei giftigen Pflanzen gefährliche Konsequenzen haben.»

Zwischen Schutz und Freiheit

Wer geht schon ein Demenzzentrum besuchen und fragt sich, was machen die dort eigentlich? Darum ist es ein Bestreben von mir, das Zentrum aufzumachen und Seitenwechsel zu ermöglichen.

Henri Gassler, Leiter Demenzzentrum Dandelion

Als im März der Lockdown ausgerufen und das Heim für Besucher geschlossen wurde, begann im Dandelion eine schwere Zeit. Ein ausgewogenes Mass zwischen Schutz und Freiheit der Bewohner zu finden ist ein Balanceakt. Henri Gassler ist klar, dass das eine auf Kosten des anderen geht. Dank der Milieu-Therapie, einem Behandlungsansatz, bei dem die Bewohner in Gruppen von etwa acht Pflegebedürftigen betreut werden, konnte im Dandelion eine familienähnliche Struktur beibehalten werden. Das half sehr, als keine Besucher kommen durften. «Natürlich können wir die Angehörigen nicht komplett ersetzen. Mit einem hohen Mass an Zuwendung und Hingabe können wir aber helfen. Unsere Pflegenden machen das jeden Tag mit einer Engelsgeduld. Demenzkranke können sehr anspruchsvoll sein und die Leute, die hier arbeiten, gehen einer Berufung nach.»

Für das Dandelion geht die Strategie in Richtung Öffnung: So sicher wie nötig und offen wie möglich, insbesondere damit auch die Angehörigen noch mehr einbezogen werden können. «Gerne möchten wir als gutes Beispiel voran gehen und als solches gesehen werden. Eventuell können wir irgendwann Infoveranstaltungen zu Aromatherapien anbieten – wir werden sehen. Aber ich würde mir wirklich wünschen, unsere Philosophie nach aussen tragen zu können.»

Zufriedene Mitarbeitende sind das A & O – auch für die Baloise

Henri Gassler, der viele Jahre Personalchef in einem grossen Schweizer Unternehmen war, weiss: «Eine intakte Unternehmens- und Konfliktkultur ist dabei massgeblich. Das ist im Dandelion genau gleich wie bei der Baloise. Ein Unternehmen lebt davon, dass es den Mitarbeitenden gut geht.» Zu einer intakten Unternehmenskultur gehört die Wertschätzung für die Mitarbeitenden. Es ist ein geben und nehmen – die Mitarbeitenden schaffen Wert für das Unternehmen und das Unternehmen für die Mitarbeitenden. «Letztes Jahr haben wir uns mit dem Lohnsystem auseinandergesetzt. Die Prämisse ist: Wir bezahlen faire Löhne». Henri Gassler ist sich aber sicher, dass Wertschätzung neben dem Lohn auch vom Stellenwert abhängt, den eine Gesellschaft einer Tätigkeit zuschreibt.

Henri-Gassler

«Die Lebensqualität unserer Bewohner ist nur gewährleistet, wenn es unseren Mitarbeitenden gut geht. Die Lebensqualität kann also nur als Gesamtleistung von allen zusammen gewährleistet werden. Wir nehmen darum die Sorgen unserer Mitarbeitenden ernst.»

Henri Gassler, Leiter Demenzzentrum Dandelion

Selbstbestimmt in den letzten Lebensabschnitt

Henri Gassler engagiert sich auch dafür, dass in der Schweiz ein Hospitz und Palliativzentrum für Kinder und Jugendliche entsteht. «Solche Einrichtungen gibt es bisher noch nicht bei uns, nur in Deutschland». Fragt man Henri Gassler, wieso er sich engagiert, sagt er: «Ich will, dass man auch den letzten Lebensabschnitt selbstbestimmt und in Würde erleben kann. Und mich interessiert: Warum fällt uns der Umgang damit so schwer, insbesondere in einem Land wie der Schweiz. Ich denke das wir über den Tod sprechen müssen. Es wird nie ein einfaches Thema sein aber gehört zum Leben dazu. Bei der Geburt wird alles angeschaut: das Zimmer, die Hebamme und so weiter – alles ist vorbereitet. Dass diese Vorbereitungen beim letzen Lebensabschnitt genauso wichtig sind, merkt man erst, wenn es soweit ist.»

baloise.com/nachhaltigkeit

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