Eine Bierbrauerei wie eine Winzerei? Wie man Bier mit Mehrwert braut

Kim Berrendorf, Michelle Unternährer
28. August 2020
Daniel Gosteli ist Mitinhaber und CEO von «Birtel». Gebraut im Dreispitz-Areal in Basel bietet die Kleinbrauerei drei verschiedene Biersorten an. Die Philosophie: Sinnvoll anders sein und einen Mehrwert bieten. Wir haben unseren Kunden besucht und erfahren, wieso man Bier eigentlich wie guten Wein behandeln sollte.

Vom Marketing zur Kleinbrauerei

«Hättest du mir vor ein paar Jahren gesagt, dass ich einmal Inhaber einer Bierbrauerei sein werde, hätte ich laut gelacht», erzählt Daniel, der davor unter anderem 15 Jahre im Marketingbereich gearbeitet hat. Bei der Organisation eines Grossevents war er auf der Suche nach einem eigenen Bier «Über viele Ecken habe ich mitbekommen, dass ein Freund vor kurzem eine Brauerei übernommen hat». Mit ihm hat er dann das Bier für diesen Event gemacht». Nach dem Event wurde Daniel dann kurzerhand gefragt «willst du nicht einsteigen?»

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Was steckt im Birtel Bier?

Unter all den Brauereinen, die wie Pilze aus dem Boden schiessen, besetzen wir die Nische der nachhaltigen Bierproduktion.

Daniel Gosteli, CEO und Mitinhaber von Birtel

Für Daniel, der bereits im früheren Job das Thema Nachhaltigkeit aktiv vorangetrieben hat, stellten sich schnell die Fragen: Wie wird Bier produziert? Was ist das eigentlich für ein Produkt? Woher kommen die Rohstoffe? Die Erkenntnis: Wie ihm damals sind diese Infos dem durchschnittlichen Konsumenten völlig unbekannt. «Die meisten haben es gerne, man trinkt es und gut ist.» Genau das will Daniel mit Birtel ändern: 2017 hat er die operative Leitung übernommen und steckt seitdem seine ganze Energie rein.

 

 

Lokale Rohstoffe? Schwerer als gedacht

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Easy, dachte Daniel, wir beziehen die Rohstoffe einfach regional. Schwieriger als gedacht: Rohstoffe für Bier – Gerste, Hopfen, Malz, Hefe – werden auf  internationalen Märkten bezogen. «Wo diese Rohstoffe schlussendlich herkommen, weisst du nicht genau. Vor allem beim Hopfen.» Diese Rohstoffe werden als Monokulturen so herangezüchtet und stark behandelt, dass sie einfach verarbeitet werden können und das Bier immer genau gleich schmeckt. Birtel ist jedoch klar: Ein natürliches Produkt kann und soll nicht immer gleich schmecken. «Biologisch angebauter Hopfen schmeckt anders, je nachdem ob es beispielsweise ein sehr trockenes, sonniges oder regnerisches Jahr war.»

Bei Wein beispielsweise hat sich ein Konsumbewusstsein entwickelt, dass die Jahrgänge der Naturprodukte einbezieht und akzeptiert. Und eigentlich ist es beim Bier genau das Gleiche.

Daniel Gosteli, CEO und Mitinhaber von Birtel

Die Vision: Eine Bierbrauerei wie eine Winzerei

Der Weg dorthin beginnt vor zwei Jahren mit der Suche nach einem passenden Stück Land, um eigene Rohstoffe anzubauen. Dazu kam die Suche nach einem Landwirt, einer Mälzerei und einem Spezialisten, der alles begleitet. «Dieses Jahr haben wir das erste Mal Braugerste auf einem Landstück in Reinach (Baselland) angepflanzt. Diese ist unbehandelt und wurde nicht bewässert. Wir sind alle sehr gespannt, wie die Gerste wird.»

Für die Zukunft von Birtel hat Daniel ein klares Ziel vor Augen «Ich möchte eine Bierbrauerei wie eine Winzerei: Ich weiss genau, wo ich welche Plantage mit welchem Rohstoff habe. Damit hole ich dann Jahr für Jahr das Beste für das Produkt heraus. Irgendwann haben wir dann ein Bier, auf dem wir den Jahrgang abdrucken und für den Kunden ist klar, dass sich der Geschmack mit den natürlichen Rohstoffen verändert.»

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Inspirieren und Gutes tun

Daniel möchte mit Birtel andere Brauereien und Landwirte inspirieren: «Es wird so viel konsumiert, kleine Änderungen können da schon viel bewegen.» So setzt sich Birtel auch  dafür ein, dass Rohstoffe für die Bierproduktion im grossen Stil in der Schweiz angebaut werden und führt zu Gesprächen mit Landwirten und der Politik. «Hopfen und Gerste kann man hier eigentlich hervorragend anbauen. Man darf nicht vergessen, dass die Schweiz eine Biernation ist – wir trinken mehr Bier als Wein. Im Moment ist das einzig schweizerische an unserem Bier das Wasser. Das gilt auch für Feldschlösschen und Co.»

Zudem ist Birtel aus Überzeugung Mitglied bei One Percent for the Planet und unterstützt damit primär die Summit Foundation, die sich gegen die Verschmutzung unserer Landschaft und Gewässer mit Abfall einsetzen. Zusammen organisieren sie mehrere Clean-up-Days. Der erste ist am 5. September – Komm doch auch vorbei!
 

Mit vielen Ideen in die Zukunft

Neben dem Fokus auf die Rohstoffe möchte Birtel auch die eigene Brauerei effizienter machen. «Momentan brauchen wir für eine Liter Bier noch 4 Liter Wasser. Da kann man viel optimieren, zum Beispiel mit einer autarken Brauerei und einer Wärme- und Energierückgewinnung.» Zudem soll der Standort am Dreispitz ausgebaut werden. Ein weiteres spannendes Projekt ist die Zusammenarbeit mit der Baloise für ein eigens gebrautes Bier, das laut Daniel nach der Vielfalt der Baloise schmeckt. Daniel freut sich auf die Zukunft mit Birtel «Seid gespannt, da kommt noch einiges.»

baloise.com/nachhaltigkeit

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