Frozen, James Bond, Game of Thrones & Co. – wenn Drehorte zum Touristenmagneten werden

Fiona Egli, Katharina Hepp, Debora Moos, Laura Viloria, Julian Locher
1. September 2022
faktischversichert, Nachhaltigkeit
Filme und Serien wecken nicht selten Fernweh: In den letzten Jahren hat der Filmtourismus stark zugenommen. Ob auf den Spuren des eigenen Filmhelden wandeln oder in eine märchenhafte Welt eintauchen – immer mehr Menschen lassen sich von der Leinwand zu Reisen inspirieren. Hier acht filmische Reisehighlights.
Steg von Iseltwald über den Brienzersee

«Crash Landing on You» – Am Brienzersee für ein Selfie Schlange stehen

Nach dem Erfolg der südkoreanischen Drama-Serie «Crash Landing on You» stehen Touristen im charmanten Städtchen Isteltwald vor einem Steg Schlange. Der Steg, auf dem der Protagonist der Serie in einer Szene Piano spielt, führt in den Brienzersee und ist nach Angaben der Touristen in echt sogar noch schöner als im Netflix-Hit. Kein Wunder also, dass die hauptsächlich asiatischen Tagestouristen das kleine Dorf im Berner Oberland besuchen, um das perfekte Selfie für Instagram zu schiessen.

Das Postauto auf der Strecke von Interlaken nach Iseltwald ist nun zu 30 % mehr ausgelastet als in den Vorjahren. Nicht nur der ÖV wird wegen des Touri-Hypes überlastet. Die Menschenmengen lassen viel Müll liegen, weshalb die Stadtreinigung Überstunden machen muss. 

«The Beach» – Vorbei der Traum des einsamen Strandes in Thailand

Weisser Sand, schroffe Felsklippen, smaragdgrünes Wasser: Die thailändische Inselgruppe Ko Phi Phi Leh, der Drehort des Filmklassikers «The Beach», wurde nach dem Kinoerfolg zum Sehnsuchtsort für viele Touristen. Dies blieb jedoch nicht ohne Folgen: Der Besucheransturm mit täglich rund 200 Booten führte zu überfüllten Stränden und Schäden an der Natur. Um besonders die Korallenriffe vor einem Kollaps zu bewahren, wurde im Juni 2018 die weltberühmte Bucht für Reisende geschlossen.

Nach mehr als drei Jahren ist die paradiesische Maya Bay seit dem 1. Januar 2022 wieder für Besucher geöffnet. Allerdings gelten ab sofort strenge Auflagen: Pro Tag dürfen nur noch 4'125 Touristen für maximal 60 Minuten während der Öffnung von 07.00 bis 18.00 Uhr den Strand betreten. Nebst der Beschränkung der Gästezahl herrscht zudem ein Badeverbot.

Blick auf Maya Beach, bei dem Boote angelegt haben.
Filmort von der Netlixserie Lupin im Küstendorf Étretat

«Lupin» – Kleinem Küstendorf droht der Kollaps

Nur knapp 1’200 Personen wohnen im französischen Küstendörfchen Étretat, welches für seine idyllische, heimelige Atmosphäre bekannt ist. Seit die beliebte Netflix-Serie «Lupin» im Januar 2021 erschienen ist und zum Riesenerfolg wurde, wird das Städtchen in der Normandie von Touristen und Touristinnen überrannt. Für die Bewohner Étretats ist der Massentourismus jedoch eher ein Fluch als Segen: Auf den Hauptstrassen herrscht Stau, die Parkplätze sind überfüllt und die Autos werden einfach irgendwo abgestellt. Damit soll Schluss sein, erklärte André Baillard, der Bürgermeister von Étretat, vergangenen Sommer: Étretat soll bald nur noch für einheimische Autos zugänglich sein. Ausserdem sollen mehr Parkplätze ausserhalb der Ortsgrenze geschaffen werden.

«Frozen» – zu Besuch auf Elsas Schloss in Hallstatt

Das beschauliche Hallstatt in Österreich bringt es bei nur 754 Einwohnern auf bis zu 10′000 Touristen pro Tag. Nicht ohne Grund: Die märchenhaft anmutende Lage vor See- und Bergkulisse brachte dem Dorf bereits den Titel «The Most Instagrammable Town» ein. 

Nachdem über den Ort als Inspiration für die Disney Filmreihe «Frozen» spekuliert wurde, wird der Ansturm wohl nicht abreissen. Angeblich diente die Kirche des Dorfes als Vorlage für Elsas Schloss. Doch den Hallstättern reicht es mit dem Übertourismus: Seit 2020 sollen Reisebusse den Ort nur noch anfahren dürfen, sollten sie eines der begrenzt verfügbaren Zufahrtstickets haben.

Blick über das verschneite Dorf Hallstadt in Österreich.

Immer dann, wenn ein Ort als Paradies bezeichnet wird, ist er endgültig ruiniert.

Paul Theroux, Schriftsteller
Riesenrad in verlassener Gegend in Pripyat, Chernobyl.

«Chernobyl» – Ferien in der ukrainischen Sperrzone

Auch schon vor Start der HBO-Serie «Chernobyl» zog es Touristen an den Ort, an dem sich 1986 eine nukleare Katastrophe im dort ansässigen Kernkraftwerk ereignete. Seit «Chernobyl», die als die beste Serie überhaupt gilt, gingen die Zahlen aber nochmals nach oben: Ein Reiseveranstalter berichtet einen Anstieg an Reisebuchungen von bis zu 40 %.

«Game of Thrones» geht weiter – Westeros liegt in Nordirland

«Game of Thrones» begeisterte in den vergangenen Jahren Millionen von Fernsehzuschauern. Naheliegend also, dass sich die Drehorte der Fantasy-Serie grösster Reisebeliebtheit erfreuen. Als besonderer Fundus an Kulissen tut sich Nordirland hervor: Dort fliesst der River Quoile, besser bekannt als Schnellwasser. Weiter können Fans entlang der Dark Hedges von Ballymoney wandeln, die den Königsweg säumen, oder durch den Tollymore Forest – den verfluchten Wald – spazieren.

Strasse, die von Bäumen gesäumt ist, in Nordirland.
Hobbit-Haus in Hobbington, Neuseeland

«Herr der Ringe»– auf den Spuren Frodos in Neuseeland

Die «Herr der Ringe»-Trilogie wurde mit insgesamt 17 Oscars ausgezeichnet und ausschliesslich in Neuseeland gedreht, was den Tourismus im Inselstaat mächtig angekurbelt hat. Das Farmland rund um die Stadt Matamata diente beispielsweise als Kulisse für das Auenland mit dem kleinen Dorf Hobbiton. Heute wird das Set mit den 44 Hobbithöhlen dauerhaft als Touristenattraktion genutzt. Nach dem Besuch der Anlage winkt gar jedem Besucher ein Gratisdrink im Green Dragon.

«Golden Eye» – Im Tessin wird jeder zum Filmhelden

Einmal so cool sein wie James Bond: Im Verzascatal ist es möglich. Dort kann man nämlich den laut Umfragen besten Stunt der Filmgeschichte nachahmen und sich wie der Agent im Film «Goldeneye» von einer 220 Meter hohen Staumauer in die Tiefe stürzen.

Die höchste stationäre Bungee-Anlage der Welt hat sich zu einem weiteren Besuchermagnet im Verzascatal entwickelt. Der Touristenansturm in der engen Talschaft hat jedoch Konsequenzen: Die Einheimischen berichten über wild geparkte Autos und Abfallberge an sonnigen Wochenenden. Zudem würden die vielen Tagesgäste kaum einen Mehrwert für die Region generieren.

Verzasca Damm im Tessin.

Fazit

Die Beispiele beweisen: Drehorte haben Eindrückliches zu bieten. Dennoch regen zu viele Besucher an einem Ort auch zum Nachdenken an: Wie ergeht es den Bewohnern dieser Orte mit dem Touristenstrom? Wie kann die natürliche Schönheit eines Ortes bewahrt werden, wenn er von Besuchern überrannt wird? Nicht immer zahlt Filmtourismus auf den Nachhaltigkeitsgedanken ein, der in unserer Gesellschaft einen immer grösseren Platz einnimmt.

Nachhaltigkeit

Ob die Baloise in Sachen Nachhaltigkeit filmreif ist, findet ihr hier heraus.