Mitdiskutieren statt lamentieren

Dominik Marbet
18. September 2020
Politik
Unsere Demokratie lebt von einer offenen Diskussionskultur und daran wollen wir uns als Unternehmen beteiligen.

Jede/r hat eine Meinung

Die Baloise steht mitten im Leben der Menschen. Wenn es aber um die Teilnahme am direktdemokratischen Prozess geht, dürfen Unternehmen nicht mitspielen, sondern müssen das Geschehen von der Seitenlinie aus beobachten. Am besten machen sie das schweigend. Wieso aber soll der Bäcker, auch wenn das gesamt politische Spektrum bei ihm Brötchen kauft, keine Meinung haben dürfen. Wir schreiben dabei ja niemandem vor, wie er oder sie abzustimmen hat.

Von massvoll bis «das Mass ist voll»

Worum geht es in der Begrenzungsinitiative?

Pluszeichen klicken für Erklärung

Am 27. September stimmt das Schweizer Volk über die Begrenzungsinitiative ab. Dabei geht es auch um die Frage, was massvoll ist und wann das Mass voll ist. Die Zuwanderung in die Schweiz steigt, wenn auch nicht in dem Ausmass wie vor wenigen Jahren. Der Hauptgrund für die Zuwanderung liegt in der Personenfreizügigkeit und dem weiterhin wachsenden Arbeitsangebot in der Schweiz.

Zuwanderung als Wirtschafts-Boost

Die Wirtschaft wächst und damit auch die Nachfrage nach Arbeitskräften. Die gut ausgebildeten EinwanderInnen mindern teils den Fachkräftemängel in den Unternehmen, während weniger gut ausgebildete EinwanderInnen Arbeiten verrichten, welche SchweizerInnen nicht mehr machen wollen, so zum Beispiel im Gesundheitswesen.

Vor allem für KMU mit spezialisierten Produkten und/oder in Grenzregionen spielt die Minderung des Fachkräftemangels eine Rolle. Ohne Zuwanderung hätten es diese im Verdrängungswettbewerb gegen grösserer Arbeitgeber schwer, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren.

Herausforderungen in Sachen Infrastruktur

Es liegt auf der Hand, dass die Wirtschaft von der Personenfreizügigkeit profitiert, aber sie macht dies nicht auf Kosten der Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das Lohnniveau ist dank des Wohlstandes der Schweiz laufend gewachsen und die Arbeitslosenzahlen sind stabil. Unbestritten ist aber, dass die Schweiz aufgrund des Bevölkerungswachstum in Zukunft Herausforderungen in Sachen Infrastruktur (z.B. Verkehr, Wohnbaupolitik, Sozialwerke) zu bewältigen hat.

Es liegt auf der Hand, dass die Wirtschaft von der Personenfreizügigkeit profitiert, aber sie macht dies nicht auf Kosten der Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Dominik Marbet, Head Public Affairs & Sustainability

Die Risiken einer Begrenzung

Unternehmen managen ihre Risiken und die Rechtssicherheit ist ein wichtiger Aspekt. Wer in den Standort investiert, Mitarbeitende ausbildet, Arbeitsplätze schafft und erhält, kann das nur, wenn man seine Geschäftsrisiken entsprechend einschätzen und verwalten kann. Politische und vertragliche Unsicherheit mit unserem grössten Handelspartner, der EU, würden weite Teile der Wirtschaft verunsichern. Das Wirtschaftswachstum der Schweiz und damit unser Wohlstand beruht insbesondere darauf, dass wir ein Exportland sind, da der Binnenmarkt zu klein ist. Die Schweiz ist somit für grosse Teile der Wirtschaft kein bedeutender Absatzmarkt, allerdings profitiert unsere Volkswirtschaft davon, dass viele Investitionen, Arbeitsplätze und Steuern in der Schweiz anfallen.

Unsere Position

Als Unternehmen profitiert die Baloise ebenfalls von der Personenfreizügigkeit. So beschäftigen wir alleine in der Region Basel zirka 12% Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Wir sind uns aber auch der Verantwortung bewusst, welche wir als Unternehmen mit Schweizer Wurzeln gegenüber der Gesellschaft haben. Deshalb beteiligen wir uns auch als Unternehmen aktiv am politischen Dialog, um unsere Standpunkte transparent und unsere Beweggründe begreifbarer zu machen.

Die Baloise unterstützt die ablehnende Haltung des Schweizerischen Versicherungsverbandes gegenüber der Begrenzungsinitiative. Die Initiative verlangt faktisch eine Kündigung der Personenfreizügigkeit, weil die Schweiz die Zuwanderung über ein Kontingentssystem wieder selbst regeln müsste. Mit dem Wegfall der Personenfreizügigkeit stehen alle bilateralen Verträge auf dem Spiel.

Standpunkt als Versicherung, die Wert schaffen will

Als Versicherung sind wir stark von der Konjunktur und dem Wohlstand in unserem Land abhängig. Eine Kündigung bilateraler Verträge und grosse Unsicherheiten bzgl. der Zusammenarbeit mit einem bedeutenden Handelspartner wie der EU würden der Volkswirtschaft schaden und damit auch Einfluss auf unsere Aktivitäten haben. Die Baloise will Wert für all ihre Stakeholder schaffen und sieht sich in der Schweiz stark verwurzelt. Als attraktiver Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb möchten wir auch weiterhin in den Standort Schweiz investieren.

Wir möchten im Rahmen unserer Expertise mithelfen, die anspruchsvollen Herausforderungen der Zuwanderung zu meistern. Wir sind aber überzeugt, dass wir diese nicht mit den Mitteln der Begrenzungsinitiative lösen. Im Gegenteil: die Vorlage bringt zusätzliche Unsicherheiten, welche wir auch als Baloise gerade in diesen Zeiten vermeiden wollen. Als Unternehmen lehnen wir die Begrenzungsinitiative daher ab.

Nachhaltigkeit

Wir tragen gesellschaftliche Verantwortung.