Sabine und die Schweiz: Eine teure Begegnung

Fiona Egli
11. Februar 2020
faktischversichert
Sabine und Petra wirbeln die neue Dekade ganz schön auf: Bei der Baloise sind bis zum jetzigen Zeitpunkt über 300 Schadenmeldungen eingegangen. Ob Grills, Trampoline oder ganze Dächer – das durch die Winterstürme verursachte Schadenspektrum ist breit. Roland Saxer, Leiter Leistungscenter Sach / TV / Transport, erklärt, was sich seit Burglind verändert hat.

Roland, wie viele Schadenmeldungen aufgrund von Stürmen sind seit Anfang 2020 bei der Baloise eingegangen?

Aufgrund der 2020er Winterstürme sind bis gestern Abend über 300 Schadenmeldungen eingegangen. Sabine, das momentane Sturmtief, hatte seine stärkste Ausprägung gestern im Verlauf des Tages sowie in der Nacht auf heute. Daher erwarten wir nochmals rund 300 Schadenmeldungen in den nächsten Tagen. Wir gehen von einer Schadensumme von gut 1 Mio. CHF aus.

Was war der diesjährig spektakulärste Sturm-Schadenfall?

Klassische Schäden sind beispielsweise beschädigte Schwimmbadabdeckungen, umgewehte Grills sowie Trampoline. Besonders spektakulär sind ganze Dächer, die abgedeckt wurden.

Ist Sabine der bisher schlimmste Sturm dieses Jahr? Wie schlimm ist Sabine aus Schadensicht im Vergleich zu anderen Stürmen?

In diesem Jahr war Sabine der schlimmste Sturm. Petra vor rund einer Woche war deutlich schwächer. Was die Windspitze anbelangt, erreichte Sabine mit 202 km/h sogar noch 1 km/h mehr als Burglind vor zwei Jahren. Trotzdem erwarten wir weniger Schäden als 2018. Einerseits ist dies auf die Sturmwarnungen zurückzuführen, welche die Wetterdienste und der Bund vorab aussprachen. Seit Burglind ist zudem die Sensibilität in der Bevölkerung gewachsen, was das Ausmass von Stürmen anbelangt. Andererseits konnten in den letzten zwei Jahren verschiedene Verbesserungen an Bausubstanzen vorgenommen werden. So wurden beispielsweise Dächer, welche 2018 abgedeckt wurden, fachmännisch repariert und erneuert und halten nun einem ähnlich starken Sturm gut stand.

Wir gehen von einer Schadensumme von gut 1 Mio. CHF aus.

Roland Saxer, Leiter Leistungscenter Sach / TV / Transport

Welcher war der bisher «teuerste» Sturm in der Geschichte der Baloise?

Der teuerste Sturm für die Baloise war Lothar 1999 mit einer Schadensumme von total rund 50 Mio. CHF. Die Windspitzen waren damals nochmals deutlich höher und die ganze Schweiz war stark betroffen. Seither wurde sehr viel in Prävention und Sicherung von Wäldern und Immobilien investiert. Dies hilft, das Ausmass der Schäden zu reduzieren.

Worin liegen schadentechnisch die Hauptunterschiede zwischen Sommer- und Winterstürmen?

Die Ursachen sind oft unterschiedlich. Während im Winter die hohen Windgeschwindigkeiten zu Schäden führen, sind es im Sommer primär die Starkniederschläge sowie Hagel, die durch starke Gewitterzellen ausgelöst werden. Meist verursachen die Sommerstürme und Gewitter deutlich mehr und teurere Schäden. Oft ist der gesamte Hausrat betroffen, wenn beispielsweise – wie letztes Jahr im Val de Ruz – der Bach durch das ganze Dorf fliesst. Bei einem Wintersturm sind es lose Gegenstände, die draussen stehen, Baugerüste und Dächer, die beschädigt werden.

Welche «Naturgefahr» verursachte 2019 die höchste Schadensumme und wo rangiert der Sturm?

2019 war ein relativ ruhiges Elementarschadenjahr. Besonders betroffen war die Suisse Romande im Juni. Zuerst gab es grosse Überschwemmungen in Genf und rund eine Woche später war das Val de Ruz sehr stark betroffen. Vom Schadenausmass her wird Sabine – in gewissen Ländern und in der Romandie auch Ciara genannt – deutlich darunter liegen.