C-Level Insights | Baloise-CTO Alexander Bockelmann über Innovation

Alexander Bockelmann
9. März 2021
C-Level Insights
Baloise-CTO Alexander Bockelmann über Innovation bei der Baloise und den Auf- und Ausbau von Ökosystemen.

Alexander Bockelmann, was bedeutet Innovation bei der Baloise?

Innovation ist einer der Kernpunkte unserer Unternehmensstrategie Simply Safe und unserer Baloise Kultur. Die Basis für die Bereitstellung neuer, innovativer Geschäftsfähigkeiten und Kundenerlebnisse sind in unserer immer digitaleren Welt meist neue Technologien. Die Innovationen reichen von neuen Cloud-Diensten in der Infrastruktur über moderne Kommunikations- und Zusammenarbeitslösungen am digitalen Arbeitsplatz bis hin zu modernen Applikationen und digitalen Lösungen für unsere Kunden- und Partner und zum Beispiel Schadenservices.

Bei Innovation geht es für mich darum, kreativ zu sein und neue Lösungen zu finden. Deshalb wollen wir unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit bieten, eigene und neuartige Ideen zu entwickeln und auszuprobieren. Ein Weg hierzu führt über agilere Arbeitsweisen, die Transparenz über Information und stattfindende Aktivitäten schaffen und Experten befähigen, Entscheidungen nah am Thema zu fällen. Somit werden Umsetzungszeiten verkürzt und cross-funktionales Arbeiten ohne Silodenken wird gefördert. Durch die Dezentralisierung der Verantwortlichkeiten fördern die agilen Arbeitsweisen das unternehmerische Denken und Handeln auf allen Ebenen. 

Zur Unterstützung der internen Innovation und als Methode zur Entwicklung neuer Geschäftsideen verwenden wir das Kickbox-Programm, das sich in drei Phasen gliedert. In der Ideenphase, entwickeln und validieren Mitarbeitende ihre Idee. Vielversprechende Ideen werden in der anschliessenden Prototyping-Phase am Markt mit echten Kunden getestet und aufgrund deren Rückmeldungen weiterentwickelt. Die letzte Phase bildet die Implementierung des fertigen Produktes oder Services am Markt  vielleicht innerhalb der existierenden Strukturen oder als neues Startup der Baloise.

Und wie fördert die Baloise Innovation «von aussen»?

Hierfür verfolgen wir mehrere Strategien. Zum einen sind wir als Corporate Venture Capital Geber zusammen mit unserem Partner Anthemis aktiv. Hierdurch verfolgen und investieren wir in relevante Trends sowie Startup-Innovationen und partizipieren an der dynamischen Entwicklung im Fintech- und Insurtech-Umfeld. Zum anderen arbeiten wir mit sogenannten Inkubatoren und Accelerators zusammen. Das sind Unternehmen, die Startups Starthilfe in der Entwicklung neuer Geschäftsideen bieten und uns Zugang zu diesen Entwicklungen ermöglichen. So sind wir beispielsweise seit 2017 Mitglied des Schweizer Fintech-Inkubators und Accelerators F10 und seit 2019 Partner des global tätigen Accelerators Plug and Play. Plug and Play zum Beispiel bietet eine weltweite Innovationsplattform, über die wir uns mit einer Vielzahl an Startups vernetzten und auf diese Weise neue Technologien kennenlernen können. F10 nutzen wir regelmässig als Starthilfe für unsere intern neu entwickelten Geschäftsideen aus unserem Kickbox-Programm für Mitarbeitende.

Darüber hinaus glauben wir auch an die Vorteile eines sogenannten «Open Innovation»-Ansatzes, bei dem man mit einer Vielzahl an externen Partnern zusammenarbeitet. Dies beinhaltet unter anderen Universitäten, Geschäftspartner, Mitbewerber und auch den IT Open Source Bereich.

Im Kerngeschäft erfordern moderne, kundenfreundliche Prozesse und digitale Integrationen mit Kunden und Partnern moderne Versicherungskernsysteme als Basis.

Alexander Bockelmann

Welche konkreten Beispiele gibt es für die Innovationsinitiativen bei der Baloise?

Im Kerngeschäft erfordern moderne, kundenfreundliche Prozesse und digitale Integrationen mit Kunden und Partnern moderne Versicherungskernsysteme als Basis. Als Baloise haben wir hier schon grosse Fortschritte in der Modernisierung gemacht. Nach der Implementierung eines neuen Kernversicherungssystems in der Schweiz vor einigen Jahren, konnten wir im Herbst 2020 auch in Deutschland neue Kernsysteme erfolgreich in Betrieb nehmen. Auch in Belgien modernisieren wir aktuell unsere Kernsysteme im Leben-Bereich auf Basis einer neuen cloudbasierten Lösung. 

Wichtig ist für uns, dass unsere Kunden und Partner die Innovationen spüren und erleben können. Ein Beispiel hierfür ist unser Produkt «Cyber Safe Family» in Belgien, welches zum innovativsten Versicherungsprodukt gekürt und mit einem Efma-Accenture Innovation in Insurance Award gewürdigt wurde. Ein anderes Beispiel ist die Baloise eSI-App, ein elektronischer Schadeninspektor, mit dem wir in der Schweiz einen Podiumsplatz beim Innovationspreis der Schweizer Assekuranz erzielten.

Neben den Kundenerfahrungen wollen wir über Innovationen auch unser Produkt- und Serviceangebot weiterentwickeln und diversifizieren. Dies bildet die Motivation für den systematischen Auf- beziehungsweise Ausbau der Ökosysteme Mobility und Home, welchen wir im Rahmen unserer bevorstehenden strategischen Phase «Simply Safe: Season 2» anstreben.

Wieso ist es für die Baloise wichtig, solche Ökosysteme auf- und auszubauen?

Um als Versicherungsunternehmen am Markt langfristig bestehen zu können, ist es unser Ziel, proaktiv auf Kundenerwartungen und -wünsche vorbereitet zu sein. Wir wollen unseren Kunden ganzheitliche Produkt- und Serviceangebote passend zu ihren verschiedenen Lebensbereichen und -situationen anbieten können. 

Im Ökosystem Home geht es vor allem darum, dass wir durch neue Serviceangebote und über digitale Plattformen relevanter und wertschaffender im täglichen Leben unserer Kunden werden. Dies erhöht den Mehrwert für die Kunden und die Kundenzufriedenheit. Neben den bestehenden Investitionen, zum Beispiel im Schweizer Markt, investierten wir 2020 in neue Kundensegmente und beteiligten uns an der ersten offenen Wohneigentümer-Plattform Houzy und an dem wallonischen Startup ImmoPass, einem Dienstleister im Bereich der technischen Immobilienprüfung.

Durch gesellschaftliche Trends entstehen mit der Zeit auch neue Bedürfnisse und Geschäftsfelder wie zum Beispiel im Bereich der Mobilität. Der Trend zu «zero emissions» beschleunigt den Wandel zu emissionsfreien Antrieben. Der Trend «zero accidents» ist eine Folge von zukünftig sinkenden Unfallzahlen durch mehr selbstfahrende Fahrzeuge und «zero ownership» prognostiziert eine steigende Nutzung von Abo- und Pay-per-Use-Mobilitätslösungen. In diesem sich stark verändernden Umfeld wollen wir unsere Innovationskraft nutzen und die Baloise als innovativen, europäischen Mobilitätsanbieter positionieren. Zu den Aktivitäten im Ökosystem Mobility gehörten in den vergangenen Jahren zum Beispiel der Start einer Mobilitätsplatform durch unser Startup Mobly in Belgien, die Investitionen in gowago.ch, eine Auto- und Leasing-Plattform in der Schweiz sowie in Ben Fleet Services, einen technologiebasierten Anbieter von Fahrzeugflottendienstleistungen in Deutschland. Darüber hinaus haben wir mit unserem Partner Bridgemaker die Gründung von aboDeinauto in Deutschland vollzogen. AboDeinauto ist der erste Anbieter von langfristigen Automieten, welcher auf Gebrauchtfahrzeuge und eine enge Partnerschaft mit Autohäusern sowie Gebrauchtfahrzeughändlern setzt. Für die Baloise sollen diese Innovationen neue Kundensegmente und servicebasierte Einkommensströme erschliessen.

Innovationen

Eine Auswahl innovativer Initiativen innerhalb unserer Ökosysteme.

Ökosysteme

Strategische Einbettung unserer Ökosysteme Home und Mobility.

Open Innovation

Wir suchen Startups, die Lösungen für unsere Ökosysteme anbieten.