C-Level Insights | "Es sind unsere Mitarbeitenden, die die Baloise zu dem machen, was sie ist"

Michael Müller
9. März 2021
C-Level Insights
CEO Schweiz Michael Müller über mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur und der neuen Verantwortung des Arbeitgebers – in vielerlei Hinsicht.

Die Baloise pflegt eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur. Was bedeutet das?

Es sind unsere Mitarbeitenden, die die Baloise zu dem machen, was sie ist – denn es sind sie, die schlussendlich den Unterschied beim Kunden ausmachen. Nur mit zufriedenen Mitarbeitern können wir auch zufriedene Kunden haben. Die Identifikation der Mitarbeitenden mit der Baloise ist sehr hoch, das zeigt auch die lange Zugehörigkeit zum Unternehmen im Durchschnitt. Die familiäre Kultur macht die Baloise einzigartig und ist Alleinstellungsmerkmal und Wettbewerbsvorteil zugleich. Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeitende aktiv in die Unternehmensentwicklung miteingebunden werden. Es gibt diverse Möglichkeiten mit denen sie ihre Ideen und Initiativen vorantreiben können. Gleichzeitig ist es aber wichtig, untereinander im Austausch zu sein und gegenseitig die Bedürfnisse zu kennen. Deshalb haben wir uns auch in unserer nächsten Strategiephase "Simply Safe – Season 2" zum Ziel gesetzt, unter den 5% besten Arbeitgeberinnen Europas zu gehören.

Seit kurzem können Mitarbeitende in der Schweiz bis zu 10% ihrer Arbeitszeit mit Lernen verbringen. Was bringt das einer Firma?

Das Arbeitsumfeld unterliegt dem stetigen Wandel. Obwohl wir in der Schweiz ein sehr gutes duales Bildungssystem haben, reichen die Fähigkeiten, die man in der Ausbildung gelernt hat nicht aus, um bis zum Pensionierungsalter auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Die Gesellschaft verändert sich und so die Ansprüche von Kundinnen und Kunden, von Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen. Mitarbeitende sollen sich bei uns aktiv weiterentwickeln – persönlich wie auch fachlich. Die 10% sind bei uns ein Richtwert, eine Befähigung aber auch ein Appell an die Mitarbeitende. Im Dialog mit dem Vorgesetzten werden jeweils Entwicklungsschwerpunkte definiert und der Mitarbeitende arbeitet in Eigenregie gezielt darauf hin. Jeder hat hier auch eine persönliche Verantwortung für seine Entwicklung. Nehmen wir das Beispiel der jetzigen Situation im Home-Office. Wir müssen uns neue Fähigkeiten aneignen, um beispielsweise eine virtuelle Sitzung zu leiten oder ein Gespräch effizient und zielgerichtet und trotzdem mit Empathie online zu führen. Der Berufsalltag stellt uns vor ständig neuen Herausforderungen, die wir bewusst angehen müssen. Gerade das aktuelle berufliche Umfeld in der Sondersituation gibt hier viele Lerngelegenheiten.

Uns ist es ein grosses Anliegen, dass sich Mitarbeitende in der Zeit bei uns stetig weiterentwickeln können, deshalb investieren wir auch ganz bewusst in sie.

CEO Schweiz Michael Müller

Besteht nicht das Risiko, dass man in Mitarbeitende investiert, sie danach mit den erworbenen Kenntnissen das Unternehmen verlassen?

Uns ist es ein grosses Anliegen, dass sich Mitarbeitende in der Zeit bei uns stetig weiterentwickeln können, deshalb investieren wir auch ganz bewusst in sie – weil wir der Überzeugung sind, dass sich dies langfristig für beide Seiten auszahlt. Abwerbeversuche kann man in dem Sinne auch als Kompliment ansehen. Die vielen monatlichen Baloise-Dienstjubiläen und eine Weiterempfehlungsquote unserer Mitarbeitenden in der Schweiz von 90% bekräftigt uns, dass sich unsere Mitarbeitende mit uns als Arbeitgeberin identifizieren, dies ist eine starke Bande für beide Seiten und auch zum Wohle unserer Kundinnen und Kunden.

Inwiefern wurde die Baloise in der Schweiz als Arbeitgeberin von der Pandemie überrascht?

Als die Pandemie in Europa Fahrt aufnahm, konnten wir sehr schnell reagieren, um einerseits den Betrieb für unsere Kundinnen und Kunden aufrecht zu erhalten und andererseits sicherzustellen, dass die Gesundheit unserer Mitarbeitenden bestmöglich geschützt wird. So konnten wir bereits während des ersten Lockdowns innert kurzer Zeit fast alle Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten lassen. Zwischenzeitlich konnten wir die Home-Office-Pflicht lockern und abgestimmte Präsenztage unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln ermöglichen. Mittlerweile sind wir wieder fast komplett im Home-Office-Modus. Worauf wir während der ganzen Zeit sehr geachtet haben, ist eine regelmässige, proaktive Kommunikation untereinander. Gerade mit schnell ändernden Vorgaben des Bundes und kantonalen Unterschieden ist es uns ein Anliegen, dass unsere Mitarbeitenden stets wissen, was die neuen Regelungen jeweils konkret für sie bedeuten. Der Arbeitgeber wird in dieser Zeit ja gewissermassen auch zum Ventil und ist in der Lage, mit gutem Krisenmanagement Sorgen und Ängste bis zu einem gewissen Grad abzufedern.

Und wie geht es in der andauernden Situation weiter?

Zweifelslos verlangt die jetzige Situation einiges ab – von jedem Einzelnen. Mit der Home-Office Pflicht und den sonstigen angeordneten Verhaltensregeln verändern sich die Strukturen stark im privaten wie im Arbeitsalltag. Es wird einem vielleicht erst recht richtig bewusst, welch wichtige Rolle dem Arbeitsplatz als soziale und kreative Austauschplattform zukommt. Der tägliche Austausch mit den Kollegen, das Zusammensitzen und Brainstormen an einem Projekt, oder auch die motivierende gemeinsame Kaffeepause zwischendurch – all das fällt weg. Es ist umso wichtiger in dieser Zeit, dass sich Teams und Personen organisieren, um im regelmässigen Austausch zu bleiben. Die Baloise fördert den Austausch sowie auch den Ausgleich zur Arbeit mit diversen Initiativen und Angeboten. Die zur Verfügung stehenden digitalen Tools ermöglichen eine regelmässige Begegnung und Teamaktivitäten – zumindest im virtuellen Raum. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst – in dieser speziellen Zeit ganz besonders. Wir freuen uns aber sehr, wenn der persönliche Kontakt neben dem digitalen Umgang wieder mehr an Bedeutung gewinnen kann. Die gute Vernetzung der «Baloise-Familie» hilft uns in der aktuellen Phase sehr ­– für die Pflege dieses Beziehungsnetzes sind aber die persönlichen Kontakte auch in Zukunft weiterhin sehr wichtig.