Wie können wir die Gesellschaft ermutigen, nachhaltige Mobilitätsformen zu wählen?

Peter Boss, Daniel Perschy & Roshani Anna Amin
18. Juni 2021
Mobilität, Nachhaltigkeit
Es ist kein Geheimnis, dass wir uns in vielen Lebensbereichen ein nachhaltigeres Verhalten aneignen müssen. So auch wenn es um Mobilität, also den täglichen Weg zur Arbeit oder die nächste Urlaubsreise geht.

Intro

Massnahmen der öffentlichen Hand wirken meistens systematisch, schrittweise und zielen auf Anpassungen der Infrastruktur ab. Sie tun sich unserer Beobachtung zufolge schwer, Lösungen zu entwickeln, welche am Individuum ansetzen. Obwohl es wichtig ist, einen langfristigen Plan zu haben, suchen viele Unternehmen und Start Ups nach alternativen und unmittelbareren Wegen, um Nutzer zu einem nachhaltigeren Mobilitätsverhalten zu bewegen. Es ist daher keine Überraschung, dass ein Bottom-up- oder Nudging-Approach die Aufmerksamkeit vieler Organisationen erregt hat. Laut AIM, dem europäischen Markenverband, geht es bei diesem Ansatz darum, "das Verhalten von Menschen positiv und ohne Zwang zu beeinflussen, basierend auf verhaltensökonomischem Verständnis." Indem man systematisch Alternativen aufzeigt, werden Menschen auf natürliche Weise zu nachhaltigen Optionen gelockt, was wiederum zum grösseren Ziel einer gesamtgesellschaftlichen Verhaltensänderung beiträgt.

Mit diesem Gedanken hat sich die Baloise auf ihrer Mission, die Zukunft der Mobilität zu gestalten, der Herausforderung gestellt, herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt, Menschen zu einem nachhaltigen Mobilitätsverhalten zu bewegen.

Der Prozess

Der erste Schritt in diesem Projekt war die Durchführung qualitativer Experteninterviews. Das Team führte explorative Gespräche mit zehn Experten aus den Bereichen Mobilität, Umweltwissenschaften und Verhaltensökonomie sowie mit Communities um die Themen Radfahren und nachhaltiges Leben. Die Interviews brachten einige wichtige Erkenntnisse zutage, wie z.B. "das Bedürfnis, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen, motiviert Menschen ihre Gewohnheiten zu ändern".

Mit dieser Recherche und neuen Erkenntnissen ausgestattet ging es im nächsten Schritt darum, Ideen für eine mögliche Lösung zu entwickeln. Insgesamt gab es zehn Ideen: Von einem Online-Marktplatz zum Vermieten persönlicher Mobilitätshilfen, bis hin zu einer Lösung, die Nachbarn dazu ermutigt, freiwillig Besorgungen für andere zu machen, wie z. B. Lebensmitteleinkäufe oder Kinder abholen. Alle Lösungen würden die individuelle Mobilität reduzieren oder nachhaltiger machen.

Zwei Ideen, wurden auf der Grundlage der Kriterien «Erfolgsversprechen» und «nachhaltigste Option» ausgewählt, und dann auf konzeptioneller Ebene prototypisiert, bevor sie getestet wurden. Es war wichtig einfache und kostengünstige Prototypen zu entwickeln und zu testen, um mit potenziellen Nutzern zu verstehen, welche Lösung und welche Aspekte dieser Lösung bei Nutzern auf Anklang stossen.

Die Prototypen: Solutions in the making!

Prototype 1 : Eine nachhaltige Karte

Die nachhaltige Karte bewegt Menschen zu ökologisch verantwortlichem Verhalten, indem sie die umweltbewusste Route in einem ansprechenderem Kontext darstellt. So wurden in der ÖV, Velo- oder Fussroute Grünflächen und Bäume besonders hervorgehoben. Dies wies nicht nur darauf hin, dass diese die "grünere" Option war, sondern wurde auch auf eine Art und Weise präsentiert, die den Nutzern visuell ansprechend erschien und sie ermutigte, diese Route zu wählen.

Prototype 2 : A Mobility Challenge

Die Mobilitäts-Challenge schafft ein motivierendes und zuweilen wettbewerbsorientiertes System für nachhaltige Veränderungen. Sie belohnt umweltfreundliche Mobilitätsentscheidungen durch "Öko-Punkte", "Auszeichnungen" und "Trophäen" und forcierte den Wettbewerb unter Freunden, Kollegen und Nachbarn. Es gab keine monetären Anreize, und tatsächlich wies einer der Experten aus den Forschungsinterviews darauf hin, dass "es für Menschen sehr wichtig ist, soziale Bestätigung für ihr Verhalten zu erhalten. Die größten Auslöser für Menschen, ihr Verhalten zu ändern, sind ihre Freunde, Gleichaltrigen und Familie." Entsprechend wurde die Mobilitäts-Challenge mit einer wettbewerbsorientierten, aber auch spaßigen Note gestaltet, um die gewünschte Verhaltensänderung zu erreichen.

Das Ergebnis: Moving Forward

Von den beiden Prototypen erhielt die Mobility Challenge die größere Akzeptanz. Obwohl die nachhaltige Karte Aufmerksamkeit bekam, wurde deutlich, dass Gamification und Wettbewerb im Kontext von Mobilität sehr attraktiv sind. Die Nutzer gaben an, dass sie tatsächlich ihr Mobilitätsverhalten ändern würden, um ihr Ranking zu verbessern oder Herausforderungen zu bestehen. Vielmehr zeigte sich, dass monetäre Belohnungen im Vergleich weniger Anreiz bieten als die Verbesserung des Nachhaltigkeits-"Levels" der Nutzer. In diesem Zusammenhang und in der Welt der Mobilität scheint es, dass amüsant gestalteter Wettbewerb den monetären Anreizen überlegen ist.
 

Um zu verstehen, was Menschen motiviert, um sich für nachhaltige Mobilitätsoptionen und Verhaltensweisen zu entscheiden, hat dieses Projekt einen wertvollen Beitrag geleistet. Ein nächster Schritt könnte sein, in einem Langzeittest herauszufinden, ob Menschen ihr Verhalten tatsächlich verändern. Um das herauszufinden, sind neue Experimente nötig.

Was bewegt Sie zu einer nachhaltigen Lebensweise? Welche Erlebnisse haben Ihr Verhalten in Richtung Nachhaltigkeit verändert? Baloise ist auf der Suche nach Wegen, um die Akzeptanz nachhaltiger Verkehrsmittel zu fördern. Glauben Sie, dass Ihr Vorhaben oder Ihre Idee das Zeug dazu hat, Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen?, dann wenden Sie sich an futuremobility@baloise.com.

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