Der wahre Preis unserer Ferien

Kim Berrendorf
8. Juli 2019
Nachhaltigkeit
Die Kosten unserer Ferien trägt zum grossen Teil das Klima. Vor allem, wenn es mit dem Flugzeug in die Ferne geht. Das muss nicht sein, denn hier ist es so nah und so schön.

Die versteckten Kosten des Jahreshighlights

Die Sommerferien sind für viele das Highlight des Jahres. Endlich frei, endlich Sonne, endlich Neues entdecken. Darauf arbeiten viele von uns das ganze Jahr über hin: Eine ausgedehnte Reise. Auch wenn wir es uns in unseren Ferien so richtig gut gehen lassen wollen, achten die meisten trotzdem auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch stecken in den Preisen für unsere Ferien wirklich alle Kosten, die wir damit verursachen? Eine rhetorische Frage. Vor allem beim Fliegen zahlt den Preis das Klima. Bei einem 50-Franken-Flug nach Mallorca zum Beispiel, kann unmöglich die Kompensation von ca. 1,4 Tonnen CO2-Emissionen eingerechnet sein.

CO2-Fussabdruck und der Grand Canyon

Um die Frage nach dem wahren Preis zu verdeutlichen, hilft ein Beispiel:

Ein einfacher Flug nach Las Vegas, um den Grand Canyon zu besuchen, ist ab ca. 600-700 Franken zu haben. Bei CO2-Emissionen von fast 6 Tonnen für einen einfachen Flug nach Vegas müsste man einen Betrag von 150 Franken an klimakompensierende Projekte spenden, um mehr oder weniger fein raus zu sein.

Das klimaverträgliche Jahresbudget an CO2-Emissionen eines Menschen pro Jahr liegt übrigens bei 2,3 Tonnen. Ein Jahr lang Mittelklassewagen fahren (12.000 km) verursacht ca. 2 Tonnen CO2-Emissionen. Der Flug haut also ganz schön rein. Und üblicherweise muss man ja auch am Ende der Ferien wieder zurück nach Hause.

Statt den Grand Canyon in Übersee zu besuchen, könnte man auch einen Abstecher zum Schweizer Grand Canyon, dem Naturpark Doubs, machen. Mit dem Zug oder einem durchschnittlichen Mittelklassewagen fällt diese Reise gerade mal mit 10 bzw. 20 kg CO2-Emissionen pro Strecke ins Gewicht. 

Wasserfall

 

Der weltweite Durchschnitt für einen Treibhausgas-Fussabdruck liegt bei 6 Tonnen. Fast dreimal so viel wie es das Klima eigentlich vertragen würde, um sich nicht weiter aufzuheizen. Berechnet man alle Emissionen von Importgütern, also Emissionen, die von Schweizerinnen und Schweizern im Ausland verursacht werden, dazu, kommt man für die Schweiz auf durchschnittlich 14 Tonnen CO2-Emissionen pro Kopf im Jahr.

Klima-Kosten relativieren die Preise

Nehmen wir noch ein weiteres, beliebtes Reiseziel: Palma de Mallorca. 

One way nach Mallorca ist ab ca. 50 Franken zu haben. Dabei entstehen ca. 485 kg CO2 Emissionen. Statt auf die beliebteste Mittelmeerinsel zu fliegen, könnte man auch ins Tessin fahren, was nur 70 kg CO2 für eine Strecke nach sich zieht. 

See inmitten von Bergen

 

Die Lage ist also eigentlich eindeutig, oder? Nicht ganz. Die Preise für die jeweiligen Reisen unterscheiden sich zum Teil enorm. Die Schweiz ist kein günstiges Reiseziel. Rechnet man aber nun die Klima-Kosten in die Preise mit ein, werden die preislichen Unterschiede immer kleiner. Die Frage ist dann nur noch die: Will ich die wahren Kosten meiner Ferien zahlen oder lege ich mich in meine Hängematte und lasse das nicht meine Sorge, sondern die der nächsten Generation sein.

Wo soll die Reise hingehen?

Wo die Reise hingeht, bestimmt jeder selbst. In Bezug auf die eigenen Ferien aber auch in Bezug auf das Klima. Es schreibt mir niemand vor, ob ich die Schweiz erkunde oder in weite Ferne schweife. Niemand befiehlt mir, mein Geschäftstreffen per Skype abzuhalten, anstatt persönlich vorbei zu fliegen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Jeder ist aber auch für alle anderen und alles um sich herum verantwortlich. Da unsere Handlungen nicht in einem Vakuum stattfinden, haben sie immer Auswirkungen auf Mitmenschen und Umwelt.

Die Rechnung geht dann auf, wenn wir sogenannte Externalitäten miteinbeziehen. Seien das Klimakosten beim Reisen oder Auswirkungen unseres Handelns auf unser Umfeld. 

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