Avengers, Watchmen & Co: Verantwortung von Superhelden | Was kostet die Rettung der Welt?

Manuel Thomas
10. Mai 2019
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Die Faszination für Superhelden scheint ungebrochen: Die Avengers brechen alle Rekorde an den Kinokassen. Das Marvel Cinematic Universe wächst unaufhörlich, während DC seine Helden Batman und Superman regelmässig losschickt, die Welt zu retten. Die Geschichten, die Comic-Verfilmungen erzählen, haben sich dabei im Laufe der Jahre gewandelt wie die Comics selbst, auf denen sie basieren: Lange Zeit zeigten Superhelden-Geschichten den einfachen Kampf zwischen Gut und Böse und was es bedeutet, in einer menschlichen Welt übermenschlich zu sein. Seit einiger Zeit werden aber auch vermehrt die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen des Handelns der Superhelden thematisiert à "Was kostet die Rettung der Welt?" Wir werfen einen Blick auf die jüngere Geschichte der Comic-Verfilmungen und rechnen anhand der Avengers und Superman einmal nach, was die Rettung der Welt kostet.

Who watches the Watchmen?

"Who watches the Watchmen?" steht in nassen, blutroten Lettern auf einer rissigen, zementgrauen Wand geschrieben; Tränengas umhüllt die brüchige Fassade. Eine junge, abgemagerte Frau hält sich eine Hand vor ihr Gesicht, mit der anderen Hand hält sie verkrampft eine Sprühdose fest, rote Farbe bedeckt ihre Fingerkuppen. Ein kräftig gebauter Mann mit schwarzer Maske schiesst mit einem Granatwerfer der jungen Frau eine Tränengas-Granate in den Rücken, sie bricht vor Schmerzen zusammen, bleibt ohnmächtig am Boden liegen. Der Mann mit Maske ist kein Polizist, kein Verbrecher, sondern ein Superheld: "Der Comedian", mit richtigem Namen Edward Blake.

"Der Comedian" ist Mitglied der "Watchmen", einer Gruppe von Superhelden, die es sich zur Aufgabe machten, die Welt zu retten. Einige der Watchmen wurden allerdings verrückt, ermordert, oder zu Söldnern der Regierung, so wie Blake. Ein Gesetz zwingt die ehemaligen Helden, für die Regierung zu arbeiten oder das Cape an den Nagel zu hängen. Der Comedian hat sich entschlossen, für die Regierung zu arbeiten, während die Bevölkerung lauthals fordert, das Handeln der Helden und derer, die ihnen Aufträge erteilen, um eigene Interessen durchzusetzen, selbst zu überwachen – "Who watches the Watchmen?"

In "Watchmen" geht es im Gegensatz zu vielen anderen Comics und Comic-Verfilmungen nicht um den einfachen Kampf zwischen Gut und Böse, sondern es werden die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Folgen des Superhelden-Daseins thematisiert: Was, wenn die Maske verrutscht? Was, wenn die Helden gar keine Helden sind? Was, wenn die Helden von Politikern für ihre eigenen Zwecke missbraucht werden? Wer kommt für das Handeln der Helden auf, wer bezahlt sie, wer bezahlt für die von ihnen mitverursachte Zerstörung von Städten, für die Krankenhausaufenthalte von Zivilisten?

Verantwortung von Superhelden

Diese Fragen wurden im Laufe der Jahre zu einem beliebten Leitmotiv der modernen Superhelden-Mythologie: In "The Dark Knight" muss sich Batman die Frage stellen lassen, ob seine Präsenz verantwortlich für das Aufkommen von bösen Mächten wie die des Jokers ist und ob er entsprechend die Verantwortung für Zerstörung, Mord und Co. tragen muss. In "Batman vs Superman: Dawn of Justice" ist es nun Batman selbst der Superman beschuldigt, für den Tod zahlreicher Menschen verantwortlich zu sein, ging schliesslich durch dessen Kampf mit General Zod in "Man of Steel" halb Metropolis in die Brüche und Millionen von Menschen verloren ihr Leben. Die Avengers müssen sich hingegen in "Infinity War" verantworten; einerseits für die Zerstörung von New York in "The Avengers", andererseits für die Zerstörung der fiktiven Stadt "Sokovia" in "Age of Ultron".

Die Rettung der Welt hin, die Rettung der Welt her: Der Staat und Unternehmen wie Versicherungen können nicht alleine die Aufräumarbeit machen und die Kosten tragen für das Tun der Superhelden. Die Avengers werden daher – ebenso wie die Watchmen – aufgefordert, für die Regierung zu arbeiten oder das Cape an den Nagel zu hängen, was letztlich zu einem Zerwürfnis zwischen Iron Man und Captain America sorgt.

Was kostet die Rettung der Welt?

Was kostet denn nun aber – rein theoretisch – die Rettung der Welt? Wir haben nachgerechnet, für New York, aus dem ersten "Avengers"-Film, und für Metropolis, aus "Man of Steel":

  • "The Avengers": Kampf der Avengers gegen Loki und die Streitmacht der Chitauri findet in einem relativ kleinen Einzugsgebiet von New York statt. Aufgrund der Vielzahl der Hochhäuser, der Menge an Insitutionen wie Museen sowie der gigantischen Anzahl an Autos wie Taxis ist der Schaden immens: 70 Milliarden US-Dollar Sachschaden, 90 Milliarden US-Dollar für Aufräumarbeiten, macht 160 Milliarden US-Dollar. Viel zu tun also für Haftpflichtversicherung, Autoversicherung, Gebäudeversicherung und Co. Nicht eingerechnet: Lebensversicherungskosten für zahlreiche Bürger und Bürgerinnen.

  • "Man of Steel": Wenn  General Zod durch Metropolis wütet und sich Superman ihm in den Weg stellt, bleibt kein Stein auf dem anderen. Der Kampf erstreckt sich dabei durch die komplette Stadt, auch ein Bahnhof sowie Züge gehen auf die Kosten von Superman. Entsprechend ist der Schaden nochmals höher als der verursachte Schaden der Avengers in New York:  450 Milliarden US-Dollar Sachschaden, 250 Milliarden US-Dollar für Aufräumarbeiten, macht 700 Milliarden US-Dollar. Nicht eingerechtet: Kosten der Lebensversicherung für die Bürgerinnen und Bürger.

Zum Vergleich: Der Schaden von 9/11 betrug rund 55 Milliarden US-Dollar Sachschaden plus wirtschaftliche Einbussen in Höhe von 123 Milliarden US-Dollar, insgesamt also 188 Milliarden US-Dollar.