Kaizen - Kampfsport oder Meditation?

Basel, Weder noch. Was klingt wie ein fernöstlicher Kampfsport oder eine Meditationsart ist in Wirklichkeit eine japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie, in deren Zentrum das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung steckt. Die IT des Konzernbereichs Schweiz hat vor über anderthalb Jahren angefangen, den Fokus auf kleine alltägliche Verbesserungen zu legen und lebt den KAIZEN Gedanken (Anmerkung: KAI= Veränderung ZEN= zum Besseren). Welche Erfahrungen die IT Schweiz dabei gemacht hat und warum gerade KAIZEN ausgewählt wurde, erfahren Sie im Interview und im Video mit Giuseppe Bellafiore, Leiter IT Governance Schweiz und Gesamtverantwortlicher für das Kaizen Programm in der IT Schweiz.

Was ist KAIZEN?

Giuseppe Bellafiore, Leiter IT Governance Schweiz

KAIZEN ist japanisch und bedeutet Veränderung zum Besseren. Der Kern dieser Methode zur kontinuierlichen Verbesserung liegt in der kleinen alltäglichen Verbesserung sowie der Vermeidung von Verschwendung und nicht in den grossen und aufwändigen Verbesserungsprojekten, welche von der Leitung beauftragt werden.

Warum ist KAIZEN anders als bisherige Verbesserungsmethoden?

Ich habe schon diverse Verbesserungsmethoden oder –ansätze erlebt. Bei allen gemeinsam war, dass es ein "top down" Ansatz war. Die Leitung war zwar an Verbesserungsvorschlägen interessiert, behielt sich aber die Beurteilung und deren Umsetzung selbst vor. Im Leitungsteam der ITCH stecken wir zwar den Rahmen ab, die Sammlung, die Beurteilung und vor allem deren Umsetzung, liegt aber ganz in der Verantwortung und Kompetenz des Teams. Das Team bestimmt selbständig, ohne Dazutun des Leitungsteams, ob eine Idee einen möglichen Nutzen verspricht und entscheidet selbst, ob und wann sie umgesetzt wird.

Ein Team kann also beliebig viel Zeit und Aufwand in die Umsetzung von Verbesserungsideen investieren?

Nein, natürlich nicht beliebig viel. Das ist eben einer der Faktoren, welcher zum erwähnten Rahmen gehört, den wir gemeinsam abstecken. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass die Teams sehr verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen. Die Tendenz zeigt sogar, dass die Teams weniger Zeit für Verbesserungen einsetzen als sie eigentlich dürften. Die Erfüllung der Kundenanforderungen steht also immer noch zu oberst.

Das klingt ja alles sehr positiv. Gibt es auch negative Aspekte?

Ich würde sie nicht negativ nennen, sondern vielleicht eher unangenehm. Da jedes Team, wie schon erwähnt, sehr selbständig die Verbesserungen umsetzt, ist es auch entsprechend aufwändiger, gute Ideen transparent und allen IT CH Mitarbeitern zugänglich zu machen. Das bedeutet, wenn man sicherstellen will, dass verschiedene Teams voneinander profitieren sollen, kommt man an einer Dokumentation der Verbesserung leider nicht vorbei. Wir versuchen zwar die Dokumentation so einfach wie möglich zu gestalten, aber die Dokumentation ist nicht die Lieblingsaufgabe von uns IT-lern.

Ist Kaizen denn nur für IT Abteilungen gedacht oder könnten auch andere Bereiche davon profitieren?

Kaizen hat seinen Ursprung in der Produktion und findet nun auch immer mehr den Weg in die Dienstleistungsbereiche. Ob IT oder Kundenservicecenter, profitieren können alle, insbesondere unsere Kunden, wenn Kaizen Bestandteil der täglichen Arbeit oder sogar zu einer Firmenkultur wird.

Die Baloise Group mit Sitz in Basel, Schweiz, ist ein europäischer Anbieter von Versicherungs- und Vorsorgelösungen. Sie positioniert sich als Versicherer mit intelligenter Prävention, der "Sicherheitswelt". In der Schweiz agiert sie als fokussierter Finanzdienstleister, eine Kombination von Versicherung und Bank. Die weiteren Märkte sind Belgien, Deutschland und Luxemburg. Das Vertriebsnetz umfasst die eigene Verkaufsorganisation, Makler und weitere Partner. Das Geschäft mit innovativen Vorsorgeprodukten für Privatkunden in ganz Europa betreibt die Baloise mit ihrem Kompetenzzentrum in Luxemburg. Die Aktie der Bâloise Holding AG ist im Hauptsegment an der SIX Swiss Exchange kotiert. Die Baloise Group beschäftigt rund 7'400 Mitarbeitende.