Transparente Texte in den Vertragsdokumenten

Unsere Texte sollen nach quantitativen und qualitativen Kriterien für den Leser verständlich sein. Quantitative Kriterien berücksichtigen nicht den Inhalt des Textes, sondern zählen nur zum Beispiel Wörter, Satzlängen und setzen diese in ein bestimmtes Verhältnis. Qualitative Kriterien berücksichtigen Erkenntnisse aus der Psycholinguistik, der Kognitiven Linguistik und der Textverständlichkeitsforschung.

In folgenden Dokumenten achten wir auf transparente Texte:

  • Allgemeine Versicherungsbedingungen
  • Produktinformationsblatt (soweit Texte nicht gesetzlich vorgeschrieben sind)
  • Individuelle Vertragsinformation
  • Weitere Angebotsdokumente

Im Einzelnen berücksichtigen wir folgende Kriterien:

Lange Sätze

Je länger ein Satz, desto schwieriger ist er zu lesen und zu verstehen. Lange Sätze kann ein Autor leicht vermeiden. Dies gelingt zum Beispiel, indem man mehrere Informationen auf verschiedene Sätze aufteilt. Es sollte nur ein Gedanke in einem Satz verarbeitet werden. Sehr hilfreich sind Aufzählungen. Diese kann ein Leser leicht verstehen.

  • Ein Satz ist lang, wenn er aus mehr als 20 Wörtern besteht.
  • Der Anteil langer Sätze beträgt höchstens 8 %.

Lange Wörter

Lange Wörter sind schwerer zu verstehen als kurze Wörter. Ein hoher Anteil langer Wörter weist auf einen schwer verständlichen Text hin. Lange Wörter können an der Buchstabenzahl bewertet werden. Lange Wörter können leicht durch kurze ersetzt werden.

  • Wörter sind lang, wenn sie mehr als 12 Buchstaben haben.
  • Der Anteil langer Wörter liegt unter 10 %.

Abstrakte Substantive

Als abstrakt bezeichnen wir Substantive, die nur geistig wahrnehmbare Dinge beschreiben. Anders dagegen beschreiben konkrete Substantive anfassbare Dinge. In vielen Fällen kann man auf abstrakte Substantive nicht verzichten. Kritisch ist, wenn in einem Text sehr häufig abstrakten Substantive verwendet werden. Abstrakte Substantive sind zum Beispiel: Gesundheitsprüfung, Lebensstellung.

  • Der Anteil abstrakter Substantive liegt unter 4 %.

Sätze im Passiv

Aktiv geschriebene Sätze sprechen den Leser direkt an. Sätze im Passiv dagegen nicht. Sätze im Aktiv erleichtern daher das Lesen. Dennoch ist ein Satz im Passiv nicht unbedingt unverständlich. Manchmal sind Sätze im Passiv sogar notwendig. Häufig können Sätze im Passiv aber in eine aktive Form umgewandelt werden. So kann der Schreiber seinen Leser direkt ansprechen und sich als Handelnder in den Mittelpunkt stellen.

  • Beispiel passiver Satz: Der Lehrer wird von dem Schüler gefragt.
  • Beispiel aktiver Satz: Der Schüler fragt den Lehrer.
  • Der Anteil passiver Sätze liegt unter 6 %.

Unerklärte Fachwörter

Fachwörter verstehen nur wenige Menschen auf Anhieb. Wenn Fachwörter für den Text erforderlich sind, müssen sie erklärt werden. Beispiel für Fachwörter: Obliegenheit, Vollstreckungstitel.

  • Fachwörter möglichst vermeiden.
  • Wenn Fachwörter unvermeidbar sind, müssen diese verständlich erklärt werden.
  • Fachwörter im Text oder in einem Glossar erklären.

Spreizverben

Bei Spreizverben ist das Verb in zwei Teile geteilt. Zwischen diesen Verb-Teilen stehen weitere Wörter. Spreizverben überfordern häufig das Kurzzeitgedächtnis beim Lesen eines Satzes.

Beispiel: „Das Ministerium hat mit Schreiben vom 20.11.2009 zum Entwurf eines Anwendungsschreibens zur Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die steuerliche Gewinnermittlung nach Änderung des § 5 Abs. 1 EStG durch das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts Stellung genommen.“

Zwischen hat und Stellung genommen sind über dreißig Wörter eingeschlossen. Wenn der Leser am Ende des Satzes angekommen ist, weiß er nicht mehr, was am Anfang des Satzes stand.

  • In Spreizverben sind höchstens 8 Wörter eingeschlossen.

Verneinungen

Mehrfache Verneinungen in einem Satz führen oft dazu, dass der Leser lange nachdenken muss, bevor er den Sinn versteht.

Beispiel: „Wir sind zur Leistung verpflichtet, wenn der Umstand, den Sie nicht oder nicht richtig angegeben haben, nicht die Ursache dafür war, dass ...“.

  • Keine mehrfachen Verneinungen verwenden.

Geordneter Aufbau

Ein Text wird inhaltlich logisch aufeinander aufgebaut. Nur so ist gewährleistet, dass sich der Leser schnell und intuitiv zurechtfindet und er die Zusammenhänge des Gesamttextes versteht.

  • Inhalte so anordnen, dass sie logisch aufeinander folgen.

Überschriften

Überschriften geben vor, was der jeweils folgende Text beinhaltet. Die Überschriften der 1. Gliederungsebene müssen konkret sein und den nachfolgenden Text treffend zusammenfassen. Auf Überschriften in Frageform kann sich der Leser besser beziehen.

  • Überschriften müssen zum nachfolgenden Text passen.
  • Überschriften zumindest in der ersten Gliederungsebene in Frageform.

Persönliche Ansprache

Der Autor eines Textes kann leicht die Bereitschaft eines Lesers erhöhen, den Text zu lesen: Hierfür muss er den Leser direkt ansprechen (Sie-Ansprache).

  • Leser direkt ansprechen (Sie-Ansprache).

Schriftgrösse

Es genügt nicht, dass ein Text sehr verständlich ist. Er muss auch lesbar sein.

Empfohlene Schriftgrade: 11 PT für den Text, 9 PT für Tabellen und Fußnoten

  • Ausreichende Schriftgrade verwenden.

Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis ist für den Leser der Einstieg in ein Dokument. Daher ist es wichtig, dass das Inhaltsverzeichnis übersichtlich gestaltet ist.

  • Bei umfangreichen Dokumenten ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis erstellen.