Rauhe See für die Transportversicherung

Basel, Der Daumen zeigt nach unten: Das aktuelle Konjunkturbarometer der ETH Zürich macht für den Exportbereich eine negative Prognose. Trotzdem sind die Transportversicherungen der Basler sehr rentabel. Warum ist das so? Dr. Iris Wigger, Leiterin der Branche Transport, hat die Antworten.

Iris Wigger

Iris Wigger, die Prognosen der ETH versprechen nichts Gutes. Die Exportaussichten seien trüb. Machen Sie sich Sorgen um Ihre Branche?

Nein, und ich erkläre Ihnen gerne, warum. Zuerst aber noch eine Anmerkung zur ETH-Prognose: Zahlen sind immer eine Momentaufnahme. Laut Eidgenössischer Zollverwaltung hat die Schweiz in den ersten drei Monaten dieses Jahres 2.5 % mehr exportiert als im Vorjahreszeitraum. Sie sehen, absolute Wahrheit finden Sie in den Zahlen nicht.

Da haben Sie einen Punkt. Also frage ich anders: Wie geht es der Branche Transport derzeit?

Sie leistet einen gewichtigen Gewinnbeitrag und steht sehr solide da, vor allem dank der guten Schadenquote. Aber diese tiefe Schadenbelastung ist nicht selbstverständlich bei den Transportversicherungen, sondern das Resultat verschiedener Präventionskampagnen der Basler in den letzten Jahren.

Was tut sich denn auf diesem Gebiet?

Wir verkaufen unseren Kunden nicht nur unseren Versicherungsschutz, sondern gehen einen Schritt weiter. Wir setzen uns mit den Unternehmen auseinander und machen sie auf ihre spezifischen Risiken aufmerksam. Ein Beispiel: Ein Kunde spediert empfindliche elektronische Messgeräte. Sogenannte Indikatoren werden direkt an der Verpackung des Transportgutes angebracht. Dank ihrer visuellen Wirkung erhöhen sie die Vorsicht im Umschlag, wo die meisten Transportschäden entstehen. Verfärbte Indikatoren weisen sofort auf eine mögliche Warenbeschädigung hin. In solchen Fällen können wir präventiv durch gezielte Schulungen oder Instruktionen künftige Schäden vermeiden oder zumindest minimieren.

Soviel zur Ausgabenseite. Jetzt zu den Einnahmen: Das Prämienvolumen ist 2015 stark geschrumpft im Vergleich zum Vorjahr. Warum?

Dieser Rückgang ist Teil einer konzernweiten Strategie und nur relativ zu betrachten. Wir haben uns unter anderem aus defizitärem Geschäft zurückgezogen. Dadurch konnten wir die Rentabilität nochmals stark verbessern, müssen aber den Einfluss auf das Schweizer Portefeuille hinnehmen.

Ist das der einzige Grund?

Der Marktdruck nimmt in allen Branchen zu. Besonders bei Broker-Ausschreibungen entscheidet meist die tiefste Prämie. Aber auch bestehenden Kunden müssen wir vermehrt einen Prämiennachlass gewähren, um unseren Bestand halten zu können. Die Logistikbranche selbst steht ebenfalls in einem harten Preiskampf, der sich auch auf uns auswirkt.

Wie entwickelt sich Ihr Geschäft in naher Zukunft?

Die aktuelle Wirtschaftslage ermöglicht durchaus Wachstum. Wir werden in Zukunft wieder vermehrt Transporte von ausgewählten Rohstoffen versichern. In diesem Bereich waren wir in den letzten Jahren zurückhaltend unterwegs. In der Schweiz sind wir aktuell die Nummer 2 der Transportversicherer, und diesen Platz wollen wir verteidigen.

Welcher Leitgedanke ist für Ihre Dienstleistung zentral?

Sich konsequent am Kunden auszurichten, steht für uns nach wie vor im Fokus. Wir werden aber unsere Sicht im Zusammenhang mit der gruppenweiten strategischen Ausrichtung nochmals schärfen. Konkret sehe ich weitere Leistungen und Investitionen im Bereich Risk Management und Loss Prevention – etwa bei der Liefer- und Kühlketten-Unterbrechung. Auch die aktive und intensive Zusammenarbeit mit den Transportabteilungen der Baloise Belgien und Deutschland fördert diese Absicht.

Die Baloise Group mit Sitz in Basel, Schweiz, ist ein europäischer Anbieter von Versicherungs- und Vorsorgelösungen. Sie positioniert sich als Versicherer mit intelligenter Prävention, der "Sicherheitswelt". In der Schweiz agiert sie als fokussierter Finanzdienstleister, eine Kombination von Versicherung und Bank. Die weiteren Märkte sind Belgien, Deutschland und Luxemburg. Das Vertriebsnetz umfasst die eigene Verkaufsorganisation, Makler und weitere Partner. Das Geschäft mit innovativen Vorsorgeprodukten für Privatkunden in ganz Europa betreibt die Baloise mit ihrem Kompetenzzentrum in Luxemburg. Die Aktie der Bâloise Holding AG ist im Hauptsegment an der SIX Swiss Exchange kotiert. Die Baloise Group beschäftigt rund 7'400 Mitarbeitende.