Kunstforum Baloise: Mathieu Kleyebe Abonnenc

Basel, Die Ausstellung von Mathieu Kleyebe Abonnenc zeigt bis 26. Oktober 2018 Arbeiten des französischen Künstlers.

Der französische Künstler Mathieu Kleyebe Abonnenc (geb. 1977), der an
der Art Basel 2015 mit dem Baloise Kunst-Preis ausgezeichnet wurde, hat
für seine Ausstellung im Kunstforum Baloise Ende letzten Jahres eine Serie
von grossformatigen Farbfotografien geschaffen. Entstanden ist die Serie
in Französisch-Guyana, einem Überseedépartement an der Nordostküste
Südamerikas, wo der Künstler seine Kindheit verbracht hat. Der Titel der
Serie – Vieux-Wacapou – verweist auf einen Ort am Fluss Maroni, der das
Ziel von Abonnencs letztjähriger Reise ins Landesinnere war.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich an diesem von Urwald
umgebenen Ort Einwanderer aus dem englischsprachigen Santa Lucia und
den angrenzenden frankofonen Antilleninseln niedergelassen. Die meisten
Siedler waren Nachkommen von Menschen aus Afrika, die seit dem
17. Jahrhundert auf den Antillen Sklavenarbeit verrichtet hatten. Wacapou
entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer prosperierenden
Ortschaft, die von der Goldwäscherei lebte.

Mitte der 1980er Jahre entschied sich die Mutter des Künstlers, in diesem
Weiler das Haus von Joseph Bernes, eines ehemaligen Geldwäschers, zu
erwerben. Das Holzhaus, das von einem kleinen Gemüsegarten umgeben
war, sollte die einzige Liegenschaft sein, die Abonnencs Mutter je besessen
hat. Ein post-kolonialer Bürgerkrieg, der im Sommer 1986 im benachbarten
Surinam ausbrach, durchkreuzte jedoch ihren Plan, zeitweise mit
ihrer Familie in Wacapou zu leben. Es erwies sich nunmehr als gefährlich,
sich in diesem Grenzort aufzuhalten.

Mehr als dreissig Jahre liegen zwischen den kriegerischen Ereignissen
in Surinam und Abonnencs Entschluss, nach Wacapou zu reisen. Die Foto-
Serie Vieux-Wacapou dokumentiert die Suche des Künstlers nach dem
Ort, den er in seiner Kindheit gekannt hatte. Heute liegen die Reste der
aufgelassenen Ansiedlung unter einer dichten Vegetationsschicht begraben.
Abonnenc musste daher wie ein Archäologe vorgehen, um dem Urwald
seine Geheimnisse abzuringen. Seine Fotografien der Siedlungsreste
von Wacapou halten ein reiches und komplexes Amalgam von europäischer
Kolonialgeschichte, Zeit- und Familiengeschichte fest. Gleichzeitig
stellen sich Abonnenc in der Beschäftigung mit der Geschichte des Hauses
seiner Mutter Fragen, die über den unmittelbaren Anlass hinausweisen.
Er führt dazu aus: «Die Fragen, mit denen ich mich auseinandersetzen
möchte, erweisen sich als produktiv: Wem gehört dieses Land? Vom wem
haben sie es erhalten? Wo ist ihr Haus? Diese drei Erzählstränge bestimmen
die Lektüre der Orte, die ich aufsuchen möchte, um zu versuchen,
der fragilen Erinnerung an das Haus bildhafte Gestalt zu verleihen.»
(M.K.Abonnenc, Maraudeur, 2017).

Text: Martin Schwander

Biographie

Mathieu Kleyebe Abonnenc

  • 1977 in Paris geboren; aufgewachsen in Französisch-Guyana, einem Überseedépartement an der Nordostküste Südamerikas.
  • 2016/17 Pensionär der Académie de France (Villa Médicis) in Rom.
  • Lebt und arbeitet in Metz.

Ausstellung im Kunstforum Baloise

Baloise Group, Aeschengraben 21, CH-4002 Basel

  • 13. Juni - 26. Oktober 2018

Vernissage

  • Mittwoch, 13. Juni 2018, 18-22 Uhr

Führungen

  • Dienstag, 10. Juli um 12:30 Uhr
  • Dienstag, 16. Oktober um 12:30 Uhr

 

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