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Karrieretipps
Nida Temaj 9. Januar 2026 Karrieretipps
Burnout wird im Alltag oft als individuelles Problem beschrieben. Zu ehrgeizig, zu wenig belastbar, zu perfektionistisch. Die wissenschaftliche Forschung zeichnet jedoch ein anderes Bild. Burnout ist kein persönliches Versagen, sondern die Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, wie die Arbeit “Burnout: A Review of Theory and Measurement” (Edú-Valsania et al., 2022) zeigt.
Was Burnout wirklich ist und was nicht

Burnout ist ein arbeitsbezogenes psychologisches Syndrom, das sich schrittweise entwickelt, wenn berufliche Belastungen über längere Zeit höher sind als die Möglichkeiten zur Erholung und Unterstützung. Die Weltgesundheitsorganisation ordnet Burnout deshalb klar dem Arbeitskontext zu. 

Die Forschung beschreibt drei zentrale Dimensionen von Burnout: 

  • Emotionale Erschöpfung: Das Gefühl, dauerhaft ausgelaugt zu sein 
  • Innere Distanz oder Zynismus: Rückzug von der Arbeit oder von anderen Menschen 
  • Reduzierte Wirksamkeit: Der Eindruck, nicht mehr gut oder sinnvoll arbeiten zu können 

Besonders wichtig: Burnout wird nicht als individuelles Problem verstanden, sondern als Reaktion auf bestimmte Arbeitsbedingungen.

Wie Burnout entsteht: Wenn Anforderungen und Ressourcen nicht mehr zusammenpassen

Eine der zentralen Erklärungen in der Forschung ist das sogenannte Job-Demands-Resources-Modell. Vereinfacht gesagt beschreibt es ein Gleichgewicht: 

  • Arbeitsanforderungen: z. B. hohe Arbeitslast, Zeitdruck, emotionale Anforderungen, ständige Erreichbarkeit 
  • Ressourcen: z. B. Handlungsspielraum, Unterstützung im Team, faire Führung, Sinnhaftigkeit der Arbeit 

Solange sich diese beiden Seiten die Waage halten, bleibt Arbeit auch in intensiven Phasen gesund. Problematisch wird es, wenn die Anforderungen dauerhaft höher sind als die verfügbaren Ressourcen. Dann reicht selbst hohe Motivation oder persönliches Engagement nicht mehr aus, um gesund zu bleiben. 

Gerade leistungsbereite, engagierte Menschen sind davon besonders betroffen. Nicht trotz, sondern wegen ihres Einsatzes. 

Burnout zeigt sich nicht bei allen gleich

Burnout hat viele Gesichter. Studien unterscheiden dabei verschiedene typische Muster: 

  • Überengagierte arbeiten über lange Zeit bis an ihre Grenzen oft mit dem Gefühl, immer noch mehr leisten zu müssen. 
  • Unterforderte erleben ihre Arbeit als monoton oder sinnentleert und entwickeln innere Distanz oder Zynismus. 
  • Resignierte fühlen sich machtlos, nicht mehr gesehen oder wirksam und ziehen sich zunehmend zurück. 

Diese Unterschiede zeigen Burnout ist kein einheitlicher Zustand, sondern entwickelt sich individuell abhängig von Arbeitsbedingungen, Rolle und Unterstützung.

Prävention beginnt nicht erst bei der Einzelperson

Achtsamkeit, Bewegung oder Entspannung können hilfreich sein. Sie ersetzen jedoch keine strukturellen Lösungen. Die Forschung ist hier eindeutig: Wirksame Burnout-Prävention setzt vor allem bei den Arbeitsbedingungen an. 

Dazu gehören unter anderem: 

  • realistische Arbeitslast und klare Prioritäten 
  • Gestaltungsspielraum und Mitwirkung 
  • unterstützende, faire Führung 
  • soziale Unterstützung im Team 
  • frühzeitiges Erkennen von Belastungen 

Je früher gegengesteuert wird, desto besser lassen sich langfristige Folgen vermeiden.

Fazit

Burnout ist kein individuelles Problem einzelner Menschen. Es ist ein Signal, das zeigt, dass Arbeit, Rahmenbedingungen und Ressourcen neu gedacht werden müssen. Offen darüber zu sprechen, früh hinzuschauen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung.