Rund um die Baloise

Gruppenweit vernetzt | Neue Zusammenarbeit

Corinna Fröschke
28. Februar 2019
Projektmanagement
Sechs Monate, sieben Mitarbeitende aus verschiedenen Teams und Ländern, eine strategische Fragestellung. Wie geht man an so ein Projekt ran?

Die ersten Schritte

Ein so genannter "call for support" - ein interner Aufruf - ist Auftakt für diese neue Form der Zusammenarbeit. Wer hat Lust, sich vertieft mit einem bestimmten Zukunftsthema zu beschäftigen? Los gehts.

Sie kennen sich kaum oder wenig. Deshalb gilt es, erst zusammenzufinden und dann zu beginnen. "Leichter gesagt als getan", sagt Marion Essl (Leiterin Einkauf Schweiz), "denn wo fängt man an? Unsere ersten Treffen und Überlegungen waren konfus. Niemand hatte Erfahrungen, wie man so etwas angeht, aber Stück für Stück – über die Monate, in denen wir uns besser kennenlernten und das Thema erarbeiteten – entstand eine gemeinsame Vorstellung. "Und Vision", ergänzt Alwin Aloysius, Leiter Interne Revision Belgien.

Die Kennenlernphase

Wer klassische Konzernstrukturen kennt, weiss "Jeder arbeitet für seinen Bereich". Das ist so gelernt, das war immer so. Mein Team, mein Job und viel weiter wurde selten gedacht. Die neue Arbeitswelt verlangt nach anderen Verbindungen. Sie sucht teamübergreifende Netzwerke, sprengt Silos, verknüpft verschiedenes Know-how zu einem gesamtheitlichen Big Picture. "Zusammenarbeit heisst das Stichwort", erzählt Thomas Reichert, Pricing/Aktuariat.

"Bereichsübergreifend, gruppenweit – nur so entsteht eine gemeinsame Strategie." Und weil sich in diesem Projekt namens "Insurance in a box" niemand wirklich kannte, mussten sie erstmal lernen, einander zu verstehen. Wer bespielt welchen Bereich, hat welche Fähigkeiten, tickt wie, übernimmt welche Rolle? Ralf Fahney, Senior Business Analyst: "Wir hatten Glück. Wir haben per Zufall schnell zueinander und Vertrauen gefunden. Das hat unsere Arbeit erleichtert." Alle nicken.

Gruppenfotos der an dem Projekt beteiligten Mitarbeitenden

«Wo fängt man an? Unsere ersten Treffen waren sehr konfus.»

— Marion Essl, Leiterin Einkauf Schweiz 

Gross denken. Anders denken.

Das Setting der Gruppe – fernab von Teams, fernab des Konzerns, inklusive unterschiedlichster Charaktere und Erfahrungen – wurde bewusst gewählt. "Einfach mal gross denken, ein bisschen spinnen", sagt Alwin. "Scheinbar Unmögliches in Betracht ziehen", so nennt es Ralf, "und gedanklich auch einmal weggehen vom klassischen Versicherungsgeschäft. Da würden einige in der Baloise sicher schnell aufschreien und solche Überlegungen aufgrund unserer Tradition nur schwer zulassen können, aber darum ging es eben. Welche Strategie lässt uns in Zukunft konkurrenzfähig sein im Markt? Wir suchten die Antwort auf diese Frage, egal wie diese Antwort am Ende aussähe."

Das Experiment beginnt

Die Aufgabe war klar, Erfahrungswerte einer solchen Zusammenarbeit gibt es nicht, die Herausforderungen wurden schnell sichtbar. "Zunächst mal hatten wir teils verschiedene Arbeitsplätze: Basel, Antwerpen, Bad Homburg – überall dort, wo die Baloise tätig ist", erklärt Marion. "Deshalb haben wir einen monatlichen Turnus entwickelt, der uns überall mal zusammenkommen liess. Thomas ergänzt: "1x im Monat trafen wir uns persönlich, 1x pro Woche gab es einen Jour fixe per Telefon." "Eine grosse Challenge lag auch in den unterschiedlichen Zeitpensen, die jeder von uns investieren konnte. 20 - 50% in etwa", erinnert sich Alwin. "Das Tolle ist, du erschliesst dir ein gruppenweites Netzwerk in so einem Team. Unheimlich wertvoll für jeden."

lämpchen und fäden bilden ein netzwerk

Tagesgeschäft versus Projektarbeit

Klar, die Zeit, die alle in die strategische Initiative investierten, ging in ihren eigentlichen Jobs verloren. Klar, dass das teils für Unmut in ihren Teams sorgte. "Wir alle fühlten eine grosse Verpflichtung für unsere zusätzliche Aufgabe und deshalb immer auch ein bisschen Schuld gegenüber den alten Kollegen/innen im Tagesgeschäft", sagt Alwin. "Man hat das Gefühl, ihnen nicht ganz gerecht werden zu können, tanzt im Kopf immer auf zwei Hochzeiten. Koordination und Organisation sind gefragt, um alles unter einen Hut zu bekommen."

KMU-Gefühl und die Challenge, den Überblick zu behalten

Ebenso herausfordernd war es für das zusammengewürfelte Team, all ihren Aufgaben selbstorganisiert Struktur zu geben. "Bisher", so beschreibt es Marion, "hatten wir stets genaue Pläne und Ziele. Die arbeitet man dann Schritt für Schritt ab. Im "Insurance in a box" Projekt gab es keine Vorgaben, nur totalen Freiraum, den wir selbst gestalten konnten." "Das muss man sich alles selbst erarbeiten: die Themenfelder, die Verantwortlichkeiten, die Deadlines. Wir haben viel diskutiert", sagt Thomas, "haben losgelegt und mussten teils wieder von Dingen loslassen. Das waren spannende Erfahrungen, die so noch niemand von uns gemacht hatte."

Und wie geht es weiter?

"Das ist eine gute Frage", lacht Alwin. "Zunächst einmal haben unsere Ideen grossen Anklang gefunden. Baloise Group CEO Gert De Winter und CEO Schweiz Michael Müller übernehmen Rollen als Projektsponsoren, sie stehen mit uns im Dialog. "Es ist sicher kein Selbstläufer", räumt Marion ein. "Geplant sind Workshops zur Weiterentwicklung und Spezifikation unserer Vision." Ralf: "Wir machen uns alle ein wenig Gedanken, wie unsere Idee verändert wird, wenn sie konzernweiter Zustimmung bedarf. Wie mutig ist die Baloise auf dem Weg in ihre Zukunft?" Thomas ergänzt: "Und wie lässt sich unser Vorschlag, der langfristig angelegt ist, mit aktuell kurzfristig laufenden Initiativen vereinbaren?"

"Letztlich", sagt Alwin, "geht es in einem Konzern heutzutage darum: Wie reif ist er? Wie radikal dürfen neue Ideen sein und finden sie so ihre Umsetzung? Es braucht einen noch stärkeren Kulturwandel und Mut zum Risiko. Die Zeit wird zeigen, wie die Baloise zu all diesen Fragen steht."

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