"Wir suchen keine Leute, die Zeit haben, sondern solche, die sich Zeit nehmen"

Basel, In bewährter Tradition setzte die Baloise ihren jährlichen Anlass zum Thema Milizarbeit fort. Nach Anlässen zu den Themen Militär, Kirche und Sport wurden dieses Mal Exponenten aus dem Bereich "Kultur und Gesellschaft" eingeladen.

Von links nach rechts: Erik Juillard, Ursula Baum, Rahel Walser, Andreas Burckhardt

In seinem Eingangsreferat ging Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt darauf ein, wieso die Förderung des Milizgedankens ein echtes Anliegen der Baloise als Unternehmen und auch seine persönliche Überzeugung ist. Ohne Freiwilligenarbeit stehe die Gesellschaft still. Der Milizgedanke gehöre zum Fundament der Schweiz, so Burckhardt. "Wir bei der Baloise wollen diesen Milizgedanken pflegen. Wir begrüssen es, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Gemeinschaft engagieren, und zwar ohne handfeste ökonomische Vorteile" begründete Andreas Burckhardt das Engagement. Dank des Milizsystems und der ihm zugrunde liegenden Eigenverantwortung des Einzelnen können die Bürger Aufgaben besser als der Staat lösen.  Gleichzeitig führe dies zu mehr Freiheit und Gestaltungsraum des Individuums. Jeder Einzelne profitiere zudem, indem er oder sie neue Tätigkeitsbereiche und neue interessante Leute kennenlerne, so Burckhardt weiter.

Anschliessend stellten die beiden Referenten ihre Organisation konkret vor. Ursula Baum, Geschäftsleiterin der GGG Benevol Basel, räumte dabei gleich mit dem Mythos auf, dass Freiwilligenarbeit nur etwas für Pensionierte sei. Der typische "Freiwillige" sei zwischen 40 und 55 und stehe voll im Arbeitsleben, so Baum. GGG Benevol arbeitet in der Region Basel mit rund 200 Organisationen, Vereinen und Initiativen zusammen. Damit ist die Organisation die erste Anlaufstelle für Menschen, welche sich im Rahmen einer Freiwilligenarbeit engagieren wollen. Erik Juillard, Gründer und Leiter des Basel Tattoo, strich die Bedeutung der freiwilligen Helfer für den weit über die Grenzen Basels hinaus bedeutenden Anlasses heraus. Er zeigte auch auf, wie man als profitorientierte Veranstaltung den Spagat mit der Freiwilligenarbeit bewerkstelligt. Das Freiwilligen Corps des Basel Tattoo sei enorm treu und motiviert, weil man es wertschätzt und ihnen das Gefühl gäbe, Teil eines grossen Ganzen zu sein, so Juillard.

Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Rahel Walser, Redaktorin des Regionaljournals Basel Baselland von SRF, wurde die Thematik vertieft diskutiert. Dabei kamen Themen wie die Motivation von Freiwilligen, die für jeden richtigen Einsatzbereich sowie der Spagat zwischen Arbeit und Freiwilligenarbeit zur Sprache. Immer wieder wurde, auch aus dem Publikum, die Frage erörtert, wie man es in der heutigen Zeit schaffe, Freiwillige zu rekrutieren und zu motivieren. Der Trend der Gesellschaft gehe in Richtung Individualisierung und weniger in Richtung eines Einsatzes für das Gemeinwohl. Das Podium konnte allerdings aufzeigen, dass man diesen Trend stoppen könne. Stellvertretend dafür war die Aussage von Erik Juillard. Auf die Antwort von Personen, welche behaupten, sie hätten keine Zeit für zusätzliche Engagements, antworte er immer gleich: "Das ist toll. Ich suche nämlich niemanden, der Zeit hat. Ich suche Leute, welche sich die Zeit nehmen".

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