Karrieretipps

Fehlerkultur | Steh zu dir

Sabine Mäurer
25. Januar 2019
Produktivität
Fehler passieren, steh dazu und geh offen damit um. Aus Fehlern lernt und entwickelt man sich. Eine (selbst)kritische Betrachtung.

Fehler passieren

Ich habe einen Fehler gemacht. Eine unpassende Bemerkung, schnippisch, ein bisschen boshaft und vor allem unbedacht. Der andere hätte das nicht hören sollen. Hat er aber. Und war verletzt. "Das kommt vor", sagst du jetzt vielleicht. "Ist doch halb so wild." Aber mir liegt viel daran, dass wir uns gut verstehen. Nun allerdings war es passiert, und ich habe ganz schön dumm dagestanden. Ich war diejenige, die das Verhältnis belastet hat mit ihrer Boshaftigkeit. Und viele hatten das mitgekriegt. Tagelang ging mir das nach.

So ist das, wenn man einen Fehler gemacht hat. Auf einmal merkt man, dass man ganz schön "nackt" dasteht. Auf einmal wird mir klar: Jetzt sehen alle, wie ich wirklich bin. Oder auch sein kann. Schnippisch, schlecht gelaunt, neidisch, boshaft. Ich schäme mich.

Die alte Geschichte vom sogenannten Sündenfall

... zeigt auch, was dann kommt. Feigenblätter. Man versucht zu verstecken und zu vertuschen, was passiert ist. Hofft inständig, dass es keiner gemerkt hat. Schiebt anderen die Schuld zu. Versucht, sich herauszureden. Aber das ist kein wirklicher Schutz. Wie die Feigenblätter. Man muss immer Angst haben, dass doch rauskommt, was dahinter ist. Was vielleicht wirklich gar nicht so schlimm war, das lässt einen nicht los. Macht einen unruhig.

Wie wird man das wieder los?

„Steh' zu Dir!“ „Sei authentisch" - gerade auch mit deinen Fehlern und Fehlbarkeiten. Versuch nicht krampfhaft, sie zu verstecken. Ja, ich habe deinen Geburtstag vergessen. Ich bin vergesslich. Ja, ich bin manchmal ein bisschen vorlaut. Und vor allem: Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte das nicht tun sollen. Ich hätte das nicht sagen sollen. Verzeih mir bitte. Das soll nicht wieder vorkommen.

Steh’ zu Dir!

Das entlastet. Als ich mich entschuldigt hatte für meine spitze Bemerkung, da war mir leichter. Und der andere hat tatsächlich gesagt: Halb so wild. Schwamm drüber. Passiert ist passiert, aber offensiver Umgang mit deinen Fehlern und Einsicht / Reflexion sind der Weg, deine Gefühle und die beim Gegenüber aufzulösen.

Apropos "Feigenblatt": Für Adam und Eva hat Gott am Ende neue Kleider gemacht, erzählt die Bibel. Keiner soll sich schämen müssen, wenn er seinen Fehler zugibt.

Autorin: Sabine Mäurer, Senior Project Manager, Black Belt, Lean Navigatorin im Lean Office, Operations & IT.

(1961, D/CH M.A. phil.) studierte an der Universität Tübingen und der FU Berlin Sprach – und Literaturwissenschaft, anschliessend war sie im Bereich Projekt- und Supply Chain Management bei DaimlerChrysler Stuttgart, Berlin, Zürich), in der Credit Suisse (Zürich, Tokyo, Breslau, Luxembourg), Swisscard AECS und bei Strellson (Kreuzlingen) in verschiedenen Aufgaben – und Themenfeldern tätig. Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Credit Suisse absolvierte sie an der Universität Zürich das Studium der Betriebswirtschaftslehre. 2013 wechselte sie in das Lean Office bei der Basler Versicherung. Das Lean Office bietet Unterstützung im Bereich des Lean - und Projektmanagement, in Fragestellungen der Organisationsberatung, in Change Management und Coaching.

Seit Herbst 2015 studiert die Autorin berufsbegleitend an der Universität Basel im Quereinstieg Theologie. Der Text versteht sich als "experimentelle Predigt" mit dem besonderen Bezug zur Baloise.

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