«Es gibt Schlimmeres» | Risikogruppen im Home Office

Manuel Thomas
14. Mai 2020
Kultur, CSR
Unsere Mitarbeitenden kehren schrittweise aus dem maximalen Home Office in das Split-Office zurück. Ab dem 8. Juni wird die Hälfte aller Arbeitsplätze wieder besetzt, während die andere Hälfte der Mitarbeitenden von daheim aus arbeitet, stets im Wechsel. Eine Ausnahme stellen Risikogruppen dar, zu denen Manuel (34) aufgrund seiner Krankheiten gehört. Warum ein offener Umgang mit Krankheit für ihn wichtig ist, erklärt er in unserem Blog.

Manuel Thomas, 34, Risikogruppe

"Sie haben in einen grossen Topf voll Sch... gegriffen" – das Fazit meines neuen Hausarztes beim erstmaligen Durchblättern meiner prall gefüllten Patientenakte fasst meinen Gesundheitszustand pointiert zusammen. Migräne Accompagnée, Fibromyalgie, Colitis Ulcerosa, die Dreifaltigkeit von Schmerzen, Leid, Einschränkungen, die mich in Zeiten von Corona zur Risikogruppe gehören lässt. Für alle Nicht-Mediziner ein kurzer Blick in die Akte:

Grumpy Cat statt Gute-Laune-Bär

Neben meiner Familie und meinen Freunden war es mir schon immer wichtig, dass auch mein Arbeitgeber und die Personen, mit denen ich zusammenarbeite, um meinen gesundheitlichen Zustand wissen – es erklärt, warum ich so bin, wie ich bin. Auf die Frage in meinem Bewerbungsgespräch bei der Baloise, was meine grösste Schwäche ist, gab ich einen Auszug aus meiner Patientenakte preis. Allerdings erwähnte ich im gleichen Atemzug, dass meine Krankheiten gleichsam eine Stärke darstellen: Ich habe mich eben nicht zum Frührentner erklären lassen, sondern erbringe trotz aller Widrigkeiten meine Leistung.

Es ging mir dabei nicht um das Erhaschen von Mitleid. Vielmehr möchte ich transparent bleiben und anderen die Chance geben zu verstehen, warum ich statt eines Gute-Laune-Bäres eher Grumpy Cat gleiche oder meine heimische Couch dem Feierabend-Bier vorziehe.

Manuel Thomas

«Neben meiner Familie und meinen Freunden war es mir schon immer wichtig, dass auch mein Arbeitgeber und die Personen, mit denen ich zusammenarbeite, um meinen gesundheitlichen Zustand wissen – es erklärt, warum ich so bin, wie ich bin.»

Manuel Thomas

Maximales Home Office in Zeiten der Krise

In meiner Abteilung, Corporate Communications & Investor Relations, brachte man mir von Anfang an stets viel Verständnis entgegen, wenn ich mal wieder zum Arzt musste oder die Nebenwirkungen der Medikamente voll einschlugen. Entsprechend war es nie ein Problem, von daheim aus zu arbeiten oder gar nicht arbeiten zu können.

Ein neues Mass an Verständnis kam mir entgegen, als die Corona-Krise ihren Anfang nahm. Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen erkundigten sich bei mir, wie es mir geht und liessen mich spüren, dass ich auf mich aufpassen solle. Schon früh stellte man mir in Aussicht, ins maximale Home Office zu gehen, wo ich mich seit Ende Februar befinde. Alle Arbeiten lassen sich von dort aus problemlos durchführen, persönliche Kontakte werden via Skype, Houseparty und Co. gepflegt, privat kümmert sich meine Frau um alles ausserhalb der Wohnung. Wann die Zeit des maximalen Home Office für Risikogruppen endet, kann aktuell niemand beantworten, aber Fakt ist: Ich bin der Baloise für den pragmatischen Umgang mit Risikopatienten wie mir sehr dankbar.

Ich bin der Baloise für den pragmatischen Umgang mit Risikopatienten wie mir sehr dankbar.

Maximales Verständnis zu jeder Zeit

Seit Anfang Mai absolviere ich einen internen, temporären Jobwechsel in der Abteilung Neue Geschäftsfelder und Partnerschaften. Gespräche hierfür liefen schon in der Pre-Corona-Zeit. Eine neue Abteilung bedeutet neben neuen Aufgaben natürlich auch, neue Menschen kennenzulernen. Jetzt – aufgrund der persönlichen Distanz – fällt das leider etwas ab und muss wohl aufgrund meiner Krankheiten auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden. Dank verständnisvoller, neuer Kolleginnen und Kollegen gelingt das Kennenlernen dennoch.

Es ist schön zu sehen, dass man – egal in welcher Abteilung, egal zu welcher Zeit – innerhalb der Baloise-Familie viel Verständnis erhält: natürlich vorausgesetzt, man öffnet sich. Dazu möchte ich mit meinen Zeilen ermutigen. Es fällt manchen schwer, über Krankheiten offen zu sprechen, weil wir nicht selten ein Zeichen von Schwäche damit verbinden. Wer gibt schon gern freiwillig zu, dass er eine Schwäche hat? Ohne den offenen Umgang aber, gibt es auch kein Verständnis. Wer sich öffnet, erfährt gleichsam oftmals von anderen Personen, dass auch sie ihr Päckchen zu tragen haben und so habe ich gelernt, dass ich nicht allein bin. Es gibt Schlimmeres.

Willst du auch Teil unserer offenen Unternehmenskultur werden? Bewirb dich!

Top