Rund um die Baloise

Startups und Corporates | Abhängigkeiten und Learnings (Teil 2)

Corinna Fröschke
4. Juni 2020
Innovation, Kultur, Motivation, Startups
Ich weiss noch wie das war, als die Baloise die digitale Plattform MOVU kaufte. Plötzlich sass da ein fremdes Gesicht bei uns im Flex Office, das so ganz anders wirkte. Nicht nur fremd weil fremd, sondern anders: jünger, gefühlt cooler, startup-mässig. Ein Typ, der trotz allen Wandels der Baloise immer noch lässiger schien als wir. Dieser Typ war Laurent Decrue, CEO von MOVU. Heute ist er 31 und sitzt mittwochs immer noch bei uns.

Das eigene Startup verkaufen

Teil 1 der Story findest du hier

Ich höre Laurent unheimlich gern zu. Er hat eine sehr warme Stimme, erzählt überlegt und sehr reflektiert. Ich mag das. Er ist jemand, der Ambitionen hat und sich hinterfragt. Eine gute Mischung für diese Zeit, in der Veränderung permanent ist und man sich ständig anpassen muss wie ein Chamäleon. «Als die Baloise im Juli 2017 die Mehrheit an MOVU übernahm, lagen schon Jahre an Gesprächen hinter uns», erinnert sich Laurent. «Wir hatten mit verschiedenen Versicherern gesprochen, unsere Optionen geprüft, und letztlich hat uns die Baloise einfach überzeugt. Umsetzungsschnell, proaktiv und vorausdenkend. Ausserdem haben wir in den Verhandlungen bereits die Baloise Kultur kennengelernt, und das hat einfach gepasst. Dass man initiativ ein Trüppchen Baloisianer zusammentrommelte, um den Vertrag miteinander zu feiern, find ich bis heute toll wie wertschätzend.»

MOVU | Die Idee dahinter

Movu ist eine digitale Umzugsplattform, die sämtlichen Service rund ums Zügeln aus einer Hand anbietet: Umzugs-Offerten, Endreinigung, direkte Buchungen, Checklisten, Gutscheine und Move-Captains, die quasi wie ein Wedding Planner alles organisieren.

Warum verkauft man sein Baby?

«Mir und meinen Co-Foundern war immer klar, als schweizweit operierendes Startup werden wir nicht unbegrenzt wachsen. Wollen wir international steil gehen, brauchen wir Geld und strategische Partner – gerade in stürmischen Zeiten. Ohne sie hätten wir mittelfristig keine Chance. Also, mussten wir heiraten.»

Porträt eines jungen Mannes mit zopf und blauem Hemd

Irgendwann ist der Honeymoon vorbei

«Wenn du als Startup in ein grosses Unternehmen kommst, ist das etwas Anderes, als wenn du Mitarbeitender bist. Die Liason ist viel explosiver als mit Angestellten. Du sitzt auf dem Schleudersitz, der Kulturclash ist enorm.» Laurent erinnert sich an den Moment als manch gemeinsam gestecktes Ziel nicht erreicht wurde. «Da gabs den ersten Beziehungskrach», sagt er. «Wenn wir (für uns) - aus unserer Startup-Sicht mit unserer Erfahrung und Gangart - 2% neben unseren Erwartungen lagen, war das ne Party wert. Deutlich daneben zu liegen, war für uns normal. Für eine Grossunternehmung jedoch ist das natürlich ein No-Go. Business-Pläne sind da, um eingehalten zu werden, sonst verwandeln sich die Liebesschwüre von Frischverliebten schnell in nerviges Gemotze von Langzeiteheleuten.»

Beziehungskrisen überwinden

«In jeder Beziehung kommt es auch mal zu kleineren und grösseren Krisen, das war im Zusammenspiel Movu / Baloise nicht anders», bestätigt Laurent. Während es in einer Beziehung um den Abwasch geht, sind es in der Paarung Startup/ Grossunternehmen Standardprozesse, bei denen man sich finden muss, z.B. Abläufe im Accounting. «Hier sind wir professionell unterstützt worden wie auch auf strategischer Ebene. Ich selbst musste lernen, mir nicht zuviel aufzuhalsen und auch einmal «Nein» zu sagen. Man lernt sich kennen und in dem Zuge verstehen, wo das geht und wo nicht.» Laurent betont, dass die Baloise in diesem Prozess selbst immer wieder Lösungsanbieter war. «Dafür möchte ich ihnen danken und Respekt zollen.»

Lies weiter in Teil 3

"Startups und Corporates – Unterstützung und Wertschätzung"

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