Rund um die Baloise

Startups und Corporates | Eindrücke und Einsichten (Teil 1)

Corinna Fröschke
2. Juni 2020
Innovation, Kultur, Networking, Startups
Ursprünglich entstanden viele Startups weil sie schneller, beweglicher, selbstbestimmter arbeiten wollten, doch oft genug gelang es nicht, die Geschäftsideen eigenständig in den Markt zu bringen. Wie gut, dass genau jene Ideen einen immensen Mehrwert für das Portfolio grosser Unternehmen liefern. So finden Elefanten und Ameisen zueinander.

Berlin. Bei Nacht. 2015

Ich erinnere mich an einen Abend in einem Berliner Restaurant. Ich bin zu diesem Zeitpunkt Mitte 30, neben mir ein Typ Marke Hipster. Er ist 25 und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt mir, dass er gerade sein Studium abgebrochen hat, beruflich eigene Ideen verfolgt: «Ich bringe Unternehmen und Influencer zusammen», erklärt er mir sehr selbstbewusst. Wow, plötzlich fühl ich mich wie meine eigene Oma, die ihrem Enkel zuhört. Hab ich den Anschluss verpasst? Ist das heute so? Dieser Mut der Jungen, die mit Mitte 20 meinen: «Hey, ich brauch keine Ausbildung, ich muss nichts lernen. Ich breche mit klassischen Berufswegen und mache das grosse Geld mit nur einer Idee!» Ich gebe zu, an diesem Abend bin ich ganz merkwürdig beunruhigt und verunsichert nach Hause gegangen.

zwei junge Menschen sitzen an ihren Laptops nebeneinander

Basel. Baloise. 2017

Wir spulen 2 Jahre vor. Inzwischen lebe ich in Basel und arbeite im Employer Branding der Baloise Group. Hier habe ich u.a. Kontakt zu dem auch von uns finanzierten Accelerator und Inkubator F10 in Zürich. An der Förrlibuckstrasse können Startups wachsen und an ihrem Produkt feilen. In sogenannten Masterclasses treffe ich junge Typen, pro Startup zwei bis drei Co-Founder, überzeugt von ihrer Geschäftsidee, für die sie - wie für ein Baby - alles tun, sich 24/7 kümmern und offen gestanden - sich aufrauchen - bis zur absoluten Erschöpfung.

Voller Einsatz, volles Risiko.

In diesem Baby steckt alles: ihr Geld, ihre Liebe, ihre Gesundheit. Aber was ich auch lerne – am Anfang ist da nur diese Idee. Startups wissen in der Regel nicht wie sie ihr Produkt vermarkten, eine Website erstellen, mit Investoren verhandeln, einen Businessplan anlegen, Verträge aufsetzen, Buchhaltung führen. Woher auch? Die Ausbildung fehlt. Das ist aber völlig ok, nichts spricht gegen learning by doing – jedoch erdet es mich. Es nimmt mir die Sorge, ich hätte den Schuss der Zeit nicht gehört. Letztlich gehen Startups einfach den umgekehrten Weg. Sie machen sich selbständig und lernen dann im Accelerator – wie früher im Unterricht - von Marketern, Businessberatern, Accountants und Tekkies was sie für ihre Firma wissen müssen und wie sie z.B. an die Endkunden im Markt kommen. In der Fintech-Branche bspw. ist der Markt streng reglementiert. Sie sind auf Hilfe angewiesen.

Startups und Corporates | Kein Gegen- sondern Miteinander

Wenn sich grosse Unternehmen in der ersten Boom-Phase der Startup-Szene zunächst bedroht fühlten, dass die Kleinen die Grossen überrennen – weil sie schneller sind, agiler sind, näher am Kunden – dann muss man sich diese Sorge genau anschauen. Facebook, Amazon, Google – ja, hier sind aus ehemals kleinen Buden wahre Imperatoren entstanden, marktbeherrschend, ohne Zweifel potenziell existenzbedrohend für viele Konzerne dieser Welt. Nehmen wir aber die breite Masse der Startups, muss man sagen: wenigstens 90% der Neugründungen schaffen es nicht. Nicht allein. Ihre Ideen sind für den Kunden nicht wertvoll genug. Vielleicht Nice to have, aber kein Must have. Und hier beginnt eine Zusammenarbeit voller Abhängigkeiten. Startups und Corporates kooperieren.

Elefant_Ameise_tanzen

Elefant und Ameise | Ein ungelernter Tanz

Die Prozesse in grossen Unternehmen sind laaaaangsam, alles muss abgestimmt werden, jeder darf mitreden, nur der Kunde wird nicht gefragt. - Ok, Letzteres ändert sich seit einiger Zeit – aber wendig sind Konzerne noch immer nicht. Es dauert bis gelernte Strukturen aufbrechen. Auf der anderen Seite steht der Marktdruck: alles wird schneller, digitaler und Bedürfnisse wandeln sich rasant. Startups setzen flinker um, liefern neue Geschäftsideen und automatisierte Tools, die dem Portfolio der grossen Player verdammt gut stehen. So kommt es zu Beteilungen an oder gar Übernahmen von Jungunternehmen. Mit MOVU hat sich die Baloise Mitte 2017 eine digitale Umzugsplattform gekauft. Plötzlich mussten sich zwei finden, die auf den ersten Blicknicht zueinander passen, aber einander helfen würden.

Lies weiter in Teil 2 der Story

«Startups und Corporates | Abhängigkeiten und Learnings»

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