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Wie bleibe ich motiviert? | Tipps aus dem Spitzensport

Michelle Unternährer / Corinna Fröschke
7. Oktober 2020
Was bedeutet es für das Leben einer Profisportlerin, wenn nahezu alle Wettkämpfe plötzlich abgesagt werden? Wie bleibt man motiviert bis zu den Olympischen und Paralympischen Spielen 2021? Der Schweizerin Sandra Stöckli ist im Para-Cycling unterwegs. Ihre Motivations-Tipps lassen sich gut fürs Arbeitsumfeld übernehmen.

Veränderung annehmen

Im März 2020 die offizielle Bekanntgabe: Die Olympischen Spiele werden um ein Jahr verschoben. Gleichzeitig wurden Wettkämpfe auf europäischer wie internationaler Ebene abgesagt. Ein Schock für Sandra Stöckli, Swiss Para-Cycling-Athletin, durch den sie dennoch nie in ein Motivationsloch fiel.

Wie macht man das? «Klar, sind erstmal Tränen geflossen. Natürlich habe ich mich gefragt, wie ich mich motiviere weiterzumachen, aber meine Antwort kam prompt: Es sind die unendlich grosse Freude und Leidenschaft, die ich für meinen Beruf empfinde. So konnte ich sofort den Rettungsschirm ziehen, auch wenn ich mich kurzzeitig im freien Fall befand.»

Merke: Bleib flexibel! Finde das Positive im Negativen.

Deine Einstellung ist wichtig

Ihre positive Sichtweise auf eine sehr fordernde Situation kam Sandra Stöckli entgegen, denn Mitte Juli fanden tatsächlich die Schweizer Rad-Meisterschaften statt - 2020 das erste Rennen für die Handbikerin. Und siehe da: Plötzlich war es enorm wichtig, dass sie weiter auf sehr hohem Niveau trainiert hatte.

«Auf einmal ging alles sehr schnell: Ich musste bereit sein - physisch wie mental - und genau das konnte ich im Wettkampf umsetzen.» Im Ergebnis fuhr Sandra souverän auf den zweiten Platz. Für die 34-jährige war dieser Erfolg wichtig, weil es ihr und ihren Trainern zeigte, dass sie als Athletin auf dem richtigen Weg war.

Merke: Mach dir jeden (Zwischen-) Erfolg bewusst! Das hält die Motivation hoch.

 

Bildquelle: Sebastian Magnagni, Schweizer Illustrierte

Porträt Sandra Sandra Stoeckli, Frau mit Radhelm

Manchmal muss man improvisieren

Normalerweise ist Sandra Stöckli in den Sommermonaten dauernd auf Achse, von einem Training zum nächsten. Anfang März aber verringerte sich ihre Reiseaktivität auf Null, alles konzentrierte sich auf ihr Zuhause. «Mein Anspruch war es, das Training auch daheim qualitativ auf hohem Niveau zu halten. Dafür war mir keine Anstrengung zu gross.» Das Ausdauertraining fand in der näheren Umgebung statt, beim Krafttraining musste Sandra improvisieren. «So ist mein Wohnzimmer zur Muckibude geworden. Bei schönem Wetter konnte ich auf der Terrasse Gewichte stemmen und den Vögeln zuhören.»

Merke: Werde erfinderisch! Neue Ideen bringen neue Motivation. Improvisieren macht Spass!

Porträt einer Sportlerin in ihrem Handbike

Veränderung nutzen | Chancen erkennen

Für Sandra war von Anfang an klar, dass sie stärker und besser gewappnet aus der Krise hervorgehen wollte. «Genau jetzt – während Corona - kann ich mir einen Vorsprung auf die Konkurrenz verschaffen und explizit an meinen Schwächen arbeiten. Diese Einstellung hilft nicht nur uns Athleten, sondern auch Privatpersonen wie Mitarbeitenden in Unternehmen. Aus vielen Situationen lassen sich Vorteile ziehen, wenn man nur bereit ist, diese zu erkennen. Corona hat mein Leben als Sportlerin verändert, aber man muss sich drauf einlassen und vielleicht auch mal die Perspektive wechseln, um zu erkennen, was es einem nutzt.»

Merke: Frage dich bewusst, was kannst du aus der jeweiligen Situation machen und lernen?

Infobox Sandra Stöckli

Durch einen Sturz von der Sprossenwand im Jahr 2000 wurde die heute 34-jährige Sandra Stöckli Paraplegikerin. Ihre sportliche Karriere begann sie zwei Jahre später mit der Leichtathletik im Rennrollstuhl. 2013 wechselte sie aufgrund einer Verletzung zum Radsport und nahm 2016 an den Paralympischen Spielen in Rio teil. (Platz 8 mit dem Handbike im Strassenrennen)

Obwohl ihr Hauptfokus auf Tokio 2021 liegt, hat sie auch die Rad-WM 2024 in Zürich im Blick. Dort werden die Paracycling-Rennen zum ersten Mal in die Weltmeisterschaften nicht-beeinträchtigter Sportler integriert und nicht - wie sonst - Wochen später abgehalten.

Ziele setzen | Grenzen verschieben

Im August unternahm Sandra mehrere Passfahrten: 6'000 Höhenmeter und 285 Kilometer kamen insgesamt bei den Fahrten über Stilfser Joch, Timmelsjoch und Pragelpass zusammen. «Im Flachen kann ich mit meinem Handbike gut 35km/h fahren, auch bergab bin ich schnell unterwegs. Steigungen allerdings sind mit dem Handbike wesentlich anstrengender als mit dem Fahrrad, weil man nur mit dem Oberkörper arbeiten kann. Für mich sind derartige Passfahrten eine ungewohnte Herausforderung, aber ich bin stolz, diese gemeistert zu haben.»

Merke: Setz dir Ziele und geh über deine Grenzen hinaus! Die Erfolge sind Motivation pur.

Aus vielen fordernden Situationen lassen sich Vorteile ziehen, wenn man nur bereit ist, diese zu erkennen.

Sandra Stöckli, Para-Cyclistin

Unterstützung suchen und finden

Sandra Stöckli konnte sich auch in der Krise bisher auf ihre Partner verlassen, zu denen ebenso die Baloise zählt. «Bis jetzt hatte ich die volle Unterstützung von allen. Es wurde nachgefragt, wie es mir geht und was ich plane? Niemand hat mir meine Verträge gekündigt. Dafür bin ich sehr dankbar.» Die Baloise hat sich dafür entschieden, dass Sponsoring mit Sandra auch 2021 weiterzuführen.

Merke: Lass dich unterstützen. In Zusammenarbeit kann man sich gegenseitig motivieren.

Bildquellen

  • Titelbild: Daniel Streit, Swiss Paralympic
  • Bild 2: Sebastian Magnagni, Schweizer Illustrierte
  • Bild 3: Baloise
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