Der Arbeitstag beginnt meist digital: E-Mails checken, Offerten prüfen, Verträge vorbereiten, Bestände analysieren. Doch das ist nur ein Teil der Aufgabe. „Ich begleite den ganzen Prozess – vom ersten Angebot bis hin zur Bestandespflege. Dabei stehe ich im Austausch mit vielen verschiedenen Stellen: Generalagenturen, Brokerzentren, Fachspezialisten, dem Aussendienst und natürlich auch direkt mit den Kunden“, erklärt Evelyn.
Dabei ist vor allem eines gefragt: Eigenverantwortung. Denn als Underwriter auf Third-Level-Niveau trägt man nicht nur Verantwortung für Zahlen und Policen, sondern auch für komplexe Zusammenhänge besonders im Bereich Unfall und Krankentaggeld, für Einzelpersonen ebenso wie für ganze Unternehmen.
Der Fokus liegt dabei auf der Risikobeurteilung von Unternehmen – egal ob kleiner Handwerksbetrieb oder internationaler Konzern. Wie gesund ist ein Mitarbeitender? Welche Vorerkrankungen gibt es? Welcher Branche gehört der Betrieb an? Für kleinere Unternehmen wird manchmal bis auf die einzelne versicherte Person geprüft mit Unterstützung des medizinischen Dienstes. „Manchmal ist man auch so etwas wie ein Forscher“, erzählt Evelyn. „Man schaut sich Zahlen an, Hintergründe, strukturelle Gegebenheiten und zieht daraus Rückschlüsse auf das Risiko.“
Klar ist: Ohne fundiertes Fachwissen geht im Underwriting gar nichts. Aber das reicht allein nicht. „Man braucht ein solides Verständnis für Sozialversicherungen, Verhandlungsgeschick und eine gute Portion Menschenkenntnis. Denn nicht alles lässt sich in Zahlen ausdrücken.“
Manche Fälle sind glasklar, andere benötigen mehr Analyse-Aufwand. Dann entscheidet der Underwriter mit einem Mix aus Branchenvorgaben, Erfahrung und Fachkenntnis. Sprachkenntnisse, am besten in allen drei Landessprachen, sind ebenfalls Gold wert. Schliesslich sind die Gesprächspartner genauso vielfältig wie die Fälle selbst.
Die grösste Herausforderung ist der Spagat zwischen Rentabilität und Kundenzufriedenheit. Einerseits wollen wir attraktive Angebote bieten, andererseits müssen die Risiken tragbar und wirtschaftlich vertretbar sein.
Das bedeutet auch: Bestehendes hinterfragen, Markttrends beobachten, sich kontinuierlich weiterbilden. Denn die Welt dreht sich und damit auch die Anforderungen im Underwriting.
Trotz oder vielleicht gerade wegen der Komplexität liebt Evelyne ihren Beruf. „Ich schätze die Vielseitigkeit enorm. Kein Fall ist wie der andere. Und ich geniesse es, selbstständig arbeiten zu können und gleichzeitig im Team Rückhalt zu haben.“
Das Arbeitsklima sei top, die Zusammenarbeit kollegial und die Wertschätzung spürbar. „Es ist schön, wenn man weiss: Die eigene Arbeit macht einen Unterschied.“
Für alle, die überlegen, ins Underwriting einzusteigen, hat Evelyn einen klaren Rat: „Taucht ein. Je schneller man sich mit den Themen auseinandersetzt, desto schneller findet man sich zurecht. Man sollte offen sein für Neues und Lust haben, ständig dazuzulernen.“