Der Arbeitsalltag eines Schadeninspektors kann sehr unterschiedlich verlaufen. In der Regel gehen bei René morgens die ersten Schadenmeldungen ein. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: telefonieren, zuhören, klären. Es gilt herauszufinden, was genau passiert ist, wo sich der Schaden befindet und wer wie schnell Unterstützung benötigt. Häufig führt der Weg direkt zum Schadenort – zur Besichtigung und zur Einschätzung der Lage.
Dabei prüft er, ob der Schaden versichert ist, analysiert die Ursache und bewertet mögliche Reparaturoptionen. In vielen Fällen folgt auf die erste Einschätzung eine Offerte, eine Deckungsprüfung und gegebenenfalls eine Kostengutsprache. Kurz darauf geht es bereits weiter – mit dem nächsten Fall, dem nächsten Anruf.
So technisch der Beruf auf den ersten Blick wirken mag, er erfordert vor allem menschliches Einfühlungsvermögen. Ein gutes Gespür ist unerlässlich, wenn man mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun hat, betont René. Viele Kundinnen und Kunden sind gestresst, verunsichert oder verärgert – verständlich in Anbetracht der oft belastenden Umstände. In solchen Momenten hilft vor allem eines: ruhig bleiben, aufmerksam zuhören und Betroffene ernst nehmen. Ehrliche und transparente Kommunikation ist entscheidend, auch wenn die übermittelten Informationen nicht immer den Erwartungen entsprechen.
Wenn eine Versicherungsleistung nicht gedeckt ist, kommuniziert er dies offen und erklärt es nachvollziehbar. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Menschen mit ehrlicher und respektvoller Kommunikation gut umgehen können.
Neben sozialen Kompetenzen benötigt ein Schadeninspektor fundiertes technisches Wissen insbesondere im Bauwesen. Es ist wichtig zu verstehen, wie Gebäude konstruiert sind, wie unterschiedliche Materialien auf bestimmte Einflüsse reagieren und woran sich Schäden frühzeitig erkennen lassen. Die Prävention wird dabei immer bedeutender, hebt René hervor. Oft lassen sich bei Besichtigungen Schwachstellen entdecken, die zukünftig zu grösseren Problemen führen könnten und so kann bereits im Vorfeld geholfen werden.
Als besondere Herausforderung in seinem Beruf sieht René die erforderliche Flexibilität. Naturereignisse halten sich nicht an Bürozeiten. Kommt es zu einer Naturkatastrophe, ist schnelles Handeln gefragt. Dann herrscht Ausnahmezustand und es wird mit Hochdruck gearbeitet. Das kann zwar anstrengend sein, meint er, gehört jedoch zum Berufsbild und macht es gleichzeitig spannend und abwechslungsreich.
Etwas weniger aufregend, aber dennoch unverzichtbar, ist der administrative Teil der Arbeit. Entscheidungen und Zusagen, die vor Ort getroffen werden, müssen sorgfältig dokumentiert und korrekt abgewickelt werden. Auch das ist Teil der Verantwortung.
Ein besonders prägender Fall, erzählt René, war ein Wohnungsbrand, bei dem ein junges Mädchen ums Leben kam. In solchen Situationen treten Fragen der Versicherungssumme oder formale Abläufe in den Hintergrund. Es geht vielmehr um Mitgefühl, um Menschlichkeit. Dieser Vorfall war für ihn einer der emotional herausforderndsten Einsätze und zugleich ein Moment, der die grosse Verantwortung dieses Berufs deutlich machte. In solchen Situationen, meint er, zählt jedes einzelne Wort.
“Am häufigsten haben wir es mit Wasserschäden zu tun“, erklärt René. „Die entstehen oft durch Rohrbrüche, Starkregen oder defekte Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen.“ In den Sommermonaten häufen sich Schäden infolge von Naturereignissen, während im Winter vor allem Einbrüche zunehmen. Brände treten heute deutlich seltener auf, was René mit fortschrittlicher Architektur und verbesserten Präventionsmassnahmen erklärt.
Wer überlegt, Schadeninspektor oder -inspektorin zu werden, sollte offen für neue Situationen sein, ein starkes technisches Interesse besonders im Bauwesen mitbringen und gerne mit Menschen arbeiten, betont René. Der Beruf ist abwechslungsreich, fordernd und bietet kontinuierliche Lernmöglichkeiten. Stillstand gibt es kaum, denn jeder Tag bringt neue Herausforderungen und Erfahrungen.